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Michael Lingner

Kunstvermittlung als künstlerische Aufgabe?

Unter diesem Titel veranstaltet Prof. Michael Lingner ein Theorie-Praxis-Projekt an der Hochschule für bildende Künste Hamburg http://www.ask23.de/raumk23/ veranstaltun-gen.html), in dem Studierende während des Sommersemesters 2008 das Vermittlungs-programm für das off.kunst.festival.subvision erarbeiten. Nach der Präsentation und Diskussion der entwickelten Vermittlungs-Konzepte sollen die interessantesten Vorschläge von den Studierenden konkretisiert und während des subvision-festivals dann angeboten und realisiert werden.

Dabei ist zu beachten, dass sich subvision gegenüber anderen Kunstveranstaltungen durch einige Besonderheiten auszeichnen wird:

a) temporäre und atypische Ausstellungsarchitektur und -struktur

b) weniger statische Objekte als dynamische Prozesse

c) relativ große Unvorhersehbarkeit der präsentierten Dinge und Ereignisse

d) weitgehende kunsthistorische und kunsttheoretische Ungesichertheit der Exponate

e) räumlich und inhaltlich hochkomplexes Ausstellungsprogramm

f) aufgrund alternativen Selbstverständnisses keine primär kommerziellen Interessen

g) kontinuierliche Anwesenheit der beteiligten KünstlerInnen

Aufgrund dieser spezifischen Bedingungen werden bei der Konzeption der Vermittlungsangebote folgende Aspekte zu besonders zu berücksichtigen sein:

- die (auch topografische) Orientierungsfunktion von Kunstvermittlung ist nicht zu vernachlässigen

- auf die Vermittlung des Ereignis- und ggf. Handlungscharakters ist erhöhtes Augenmerk zu richten

- geringe Vorbereitungszeit seitens der Vermittler für die Aneignung der werkbezogenen Vermittlungsinhalte

- Praktizierung der Vermittlung als dialogische Befragung statt als monologische Belehrung

- durch transparente Themensetzungen gezielte Auswahlmöglichkeiten

- Statt als Marketinginstrument für KünstlerInnen und Werke Vollzug der Vermittlung als Diskussion kunst- und publikumsbezogener Problematisierungen

- weitgehende Integration von KünstlerInnen in den Vermittlungsprozess

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sollen sich die einzelnen Vermittlungsangebote auf unterschiedliche Themen spezialisieren, statt den inhaltlichen Querschnitt üblicher Führungen zu bieten. Immer ist dabei auf wesentliche Bestimmungsmomente der künstlerischen Präsentationen einerseits und mögliche Interessenschwerpunkte des Publikums andererseits einzugehen. Ihm sind unterschiedliche Zugangsweisen zur Kunst im Spannungsfeld zwischen Verstehen, Erfahren und Geschehen zu ermöglichen. Dabei wird es darauf ankommen, die Eigenperspektive der beteiligten KünstlerInnen mit der Fremdperspektive der VermittlerInnen sowie des Publikums zu kontrastieren und darüber eine produktive Auseinandersetzung zu führen. Damit allen Beteiligten die wünschenswerte Intensität und Freude erhalten bleibt, ist an eher kurze Vermittlungsmodule (Touren von 30-40 min.) gedacht, die auch parallel verfügbar und miteinander kombinierbar sind. Praktisch bedeutet dies, dass es sich für das Publikum lohnen kann, an verschiedenen Touren (ggf. auch zu denselben Exponaten) teilzunehmen.

Mögliche (auch miteinander kombinierbare) Aspekte einer Vermittlungseinheit können etwa sein:

- Erörterung der persönlichen KünstlerInnen-Biografie für Kunstbegriff und Werkverständnis

- Erörterung kultureller und gesellschaftspolitischer Faktoren für Kunstbegriff und Werkverständnis

- Erörterung kunsthistorischer Beispiele (positiv/negativ) für Kunstbegriff und Werkverständnis

- Erörterung der handwerklichen, technischen, materialspezifischen Aspekte der jeweiligen künstlerischen Produktionen

- Befragung der Anwendbarkeit/Funktionen der künstlerischen Produktionen

- Befragung des Kunstcharakters/Wertverständnisses der künstlerischen Produktionen

- Befragung der moralischen/ethischen/politischen Dimension der künstlerischen Produktionen

- Befragung der künstlerischen Produktionen hinsichtlich ihres Unterhaltungs-, Lust-, Schönheitsmomentes

- Diskussion der ökonomischen Bedingungen künstlerischer Praxis am Beispiel von Beiträgen zu SUBVISION

- Diskussion der wirtschafts-, kultur- und standortpolitischen Funktionen künstlerischer Praxis am Beispiel von SUBVISION

- Diskussion der Mechanismen des Betriebsystems Kunst hinsichtlich individueller und genereller Auswirkungen der Teilnahme an SUBVISION sowie des Selbstverständnisses als off-Szene

- Diskussion der Vorzüge und Defizite des SUBVISION-Projektes an konkreten künstlerischen Beispielen

- Diskussion des Vermittlungskonzeptes und der Vermittlungspraxis bei SUBVISION

Darüber hinaus wird die Attraktivität des Vermittlungsangebotes umso größer sein, je mehr es gelingt, für die unterschiedlichen thematischen Vermittlungsmodule je eigene passende Formate unter Adaption aller möglichen Medien, Techniken und kulturellen Vorbilder aus den verschiedensten Tätigkeitsbereichen zu entwickeln und experimentell auszuprobieren. Indem die jeweiligen zu vermittelnden Inhalte sich auch in einer spezifischen Vermittlungsform mitteilen, bekommt die Kunstvermittlung selbst einen performativen und originär künstlerischen Charakter. Die dadurch angestrebte Überwindung der üblichen seminaristischen Vermittlungspraktiken würde dem besonderen Charakter eines off-Festivals gut entsprechen.


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URL dieser Ressource: http://www.ask23.de/draft/archiv/seminartexte/konzept-vermittllung_seminar_s.html