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Daniel Runge et al.

Die Flucht nach Aegypten




Die Flucht nach Aegypten


1.Große Untermahlung (in der oberen rechten Ecke die Leinwand noch nicht einmal völlig bedeckt). 1805 - 1806 in Hamburg.

2. Zeichnung davon auf weißem Papier, in genauen Federumrissen.

Das Thier, welches die heiligen Reisenden bis dahin getragen, steht an der äußersten linken Seite im Vorgrunde, Disteln fressend, den Sattel hoch auf dem Rücken. Joseph, sehr ermüdet, hat sich zunächst hmgelagert, und rührt mit dem Stäbe in "inem angezündeten kleinen Kohlenfeuer unten in der Mitte des Bildes. Gleich darüber liegt auf dem Rücken das Christkindlein unter Blumen, wovon es einen Theil in den rechten Arm faßt, den andern in die Höhe hebt. wo er von dem Lichte des heitern Hintergrundes beschienen wird. Links sitzt Maria, zu dem Kinde

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herabsehend mit gefalteten Handen, Büsche mit aufgeblühten Rosen und Dattelpalmen beugen sich hinterwärts über sie hin. Ueber ihr steht ein Baum mit großen Blattern und entfalteten weißen Blumen, und in den Zweigen sitzen Engelknaben, theils mit Blumen von dem Baum, theils mit Tonwerkzeugen in den Händen. Der Hintergrund zeigt in weiter Aussicht das Nilthal, mit sia-chen Inseln, Pyramiden und Gebäuden.

Eine schön in Tusch ausgeführte Zeichnung (aber von weit geringerem Werthe als die oben angefühlte in Federumrissen, also nur erster Entwurf) sandte der Künstler, nebst der Zeichnung Quelle und Dichter, im Sommer 1805 an Schilden", der sich einige Arbeiten desselben anzuschaffen gewünscht hatte, als Proben und schrieb ihm dazu am 10. May 1805 An Schildener : "Ich bin mit der zweyten derselben dieser Tage fertig geworden, und wollte sehr bald anfangen, diese beiden Entwürfe als Skizzen, d. h. ausgeführte, zu mahlen, um den ganzen Effect zu sehen und so den Gedanken deutlicher herauszuheben. Ich halte im Anfange zwar daraus nicht gedacht, nun aber scheint es mir doch, als könnten es ein paar recht hübsche Gegenstücke weiden von Morgen und Abend. Ueberdies liegt die Bedeutung des Abends (in der Quelle) in der Zusammen- und Gegeneinanderstellung der Farben; es würde ein Abend des Abendlandes seyn, der vor dem Aufgange dieses Morgens*) (in der Flucht) hergeht, wo nämlich hinter dem Walde die Sonne noch glüht, und das unausgesprochne Wort den Menschen wie Musik mit unnennbarer Wehmuth nach sich zieht, und die Kinder der Blumen, oder die Gestalten der Farbe, wie Blasen und Geister sich um seinen Fuß schlingen und ihn zurückhalten in ihrer lieblichen Mitte.
Ich habe dieses Gefühl lange mit mir herumgetragen und es ist für mich, des Aufschlusses wegen, den es mir in's innere Wesen der Farben hinein gegeben, sehr merkwürdig, und würde mir, wenn ich es als einen Versuch in Farben ausarbeitete, sehr lehrreich seyn. - In dem Morgen concentrirt sich das ganze Bild auf den Mittelpunct; auch würde (da, wie sich von selbst versteht, die Gestalten noch nicht ihren innern geistigen Zusammenhang haben) sich alles mehr in diesen Punct hinein winden

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und ringen, so daß das Kind aus dem Schatten heraus mit der Hand in den ersten Sonnenstrahlen spielte. Das Kind soll der bewegteste, lebendigste Moment des Bildes werden, so daß dieses Leben hier gleichsam wieder wie ein Anfang anzusehen, der sich über das gebildete Land vor ihm erhebt. Joseph ist in dieser Zeichnung noch am wenigsten, was er seyn soll, und Sie werden schon selbst von der ersten zusammengreiftnden Skizze eines Gedankens nichts zu verlangen wissen, das zulezt nur in dem vollendeten Bilde liegen kann -. Wenn Sie inzwischen Lust hatten, diese beiden Zeichnungen zu behalten, wie sie sind, so ist es mir auch recht, nur möchte ich sie mir auf jeden Fall bald noch erst wieder ausbitten, weil ich sie doch erst mahlen wollte und mir die Leinewand schon aufgespannt habe. Sollten sie Ihnen nicht anstehen und Sie könnten mir einen Liebhaber dazu, vorzüglich aber zu den Bildern, verschaffen, so würden Sie mich sehr verpflichten. Wenn ich diese Zeichnungen aber als Zeichnungen mehr und besser ausführen sollte, so würde ich sie eben so lieb und mit eben so wenig Umständen mahlen und sie würden dann ihrer Bestimmung näher seyn. Wenn Sie sie gemahlt erhielten, könnte ick Ihnen vielleicht den Aufschluß sehr deutlich vorlegen, welchen ich vorzüglich über das Wesen der . Farbe erhalten habe, weil dann das Factum vorhanden wäre, worauf ich mich beziehen könnte, und, so weit ich Ihr Bestreben zur Kunst hin verstanden habe, zweifle ich nicht, daß dieses Ih" len Blick in die Natur freyer und liebender machen würde. Bey den Zeichnungen schon dieses zu leisten, ist mir aber, wenigstens schriftlich, unmöglich. Ich bitte um die Gefälligkeit, sie doch Quistorp zu zeigen, mit meinem herzlichen Gruß, und mir solche baldmöglichst zurückzusenden. Noch lege ich Ihnen eine Federzeichnung von dem Kinde bey, wie es werden soll."

+) Morgens des Morgenlandes. Es zeigt sich also wieder hier die in unserm Künstler so vorherrschende Neigung, verschiedene Daistellungen in eine fortschreitende Verbindung zu bringen; eine Neigung, die ihn nun bald auf die Idee führen sollte, die sämmtlichen Gedichte Ossian's zu Einem großen Epos herauszuarbeiten.

Außer den benannten Entwürfen hat er eine schöne Kreide" zeichnung auf braun Papier von dem ruhenden Joseph im Bilde gemacht, imgleichen in Tusch eine Zeichnung von dem Nilthal im Hintergrunde. - Wir erwähnen hiebey zugleich von den verschiedenen biblischen und religiösen Gegenständen, welche er von früher Zeit an mehr oder weniger skizzirt hat, nur der folgenden-. Von 179? bis 1799 die h. Familie in verschiedener Weise mehrmals, ja häufig, wobey gewöhnlich Joseph in seiner Beschäftigung als Zimmermann fröhlich zusieht. Unter diesen kleinen Entwürfen kommt mehremale vor, wie das göttliche Kind den h. Johannes, der ein Kreuz als Stab in der einen Hand

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hält , mit beiden Händchen an den Kopf faßt, und ihm mit unbescheiblicher Lieblichkeit in die Augen blickt. 1799 kam ein, vonden Stolbergen bestelltes Ölgemählde von Angelika Kaufmann aus Rom nach Hamburg, das Lasset die Kindlein zu mir kommen,, das unsern jungen Künstler mit Enthusiasmus erfüllte. Er machte sogleich eine Kreidezeichnung davon, und hat darnach öfters, selbst noch 1800 in Kopenhagen, skizziert.

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Die heiligen drey Könige.

Federzeichnung, etwas lavirt, im Stammbuche des sel. Dr. Franz Jacob Schuback in Hamburg , mit folgenden dabey geschriebenen Worten:

"Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam ... Matth. II. 9. -

im Stammbuch des Dr. Franz Jacob Schuback in Hamburg : So verschieden unsre Wege seyn mögen, so führen sie uns gewiß, wenn wir diese Leuchte des Herrn vor Augen haben, mit Gottes Hülfe alle fröhlich zusammen. Erhalte mir deine Freundschaft und zweifle nicht an meiner Redlichkeit. Dein Phil. Otto Runge. Hamburg den 25.Jul. 1805.
Die drey Weisen, verschieden costümirt, (Kameele hinter ihnen), schreiten in einer heitern Morgenlandschaft ihrem Ziele zu, die Blicke himmelan gerichtet (V. 10), wo ein Engel den wunderbaren Stern wie eine Fackel vor ihnen hin trägt. Rechts im Hintergrunde eine Hütte, vermuthlich der Stall in Bethlehem. -
Wir lassen hier noch das Lied folgen, welches Runge 1807 in Wolgast dichtete, und Louise Reichard nach seinem Tode so herrlich in Musik gesetzt hat:


Es blüht eine schöne Blume
In einem weiten Land;
Die ist so selig geschaffen,
Und Wenigen bekannt.
Ihr Duft erfüllet die Thale,
Ihr Glanz erleuchtet den Wald;
Und wenn ein Kranker sie siehet
Er gesundet allsobald. "

Erglänzt' am Morgen die Sonne,
Da wähnt' ich, ick sollte sie seh'n.
Sie sank in Abendwolken,
Ich sehnte mich, mit zu geh'n.
Sanft war der Mond erschienen.
In stillem Glanz der Raum, Da klangen der Nachtigal Töne -
Doch alles war nur ein Traum.

Die Blume der Blumen.

Sehr sanft.

Es blüht ei-ne schö-ne Blu - me in ei-nem wei-ten Land,

die ist so se-lig ge - schaffen, die



ist so se - lig ge - schaffen und we - ni - gen be - kannt,

ihr Duft er-füllet die Tha - le,

Zur letzten Strophe.

Glanz er-leuchtet den Wald, und wo ein Kranker sie sie - het, die Krankheit ent-weichet bald.

So wünsch' ich, daß im


Drey Klnige kamen gezogen M
Zu einem Heiligthum. , >
Der Stern stand über dem Hause, . ., .f
D'rin lag die süße Blum'. -
Wenn sich zween Augen wenden
Gleichwie zwey Sternelein,
Ach! wünsch' ich: Möcht' im Herzen
Dies edle Blümelein seyn!


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