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De Chateauneuf

Kritiken und Berichte. Die Kunstwerke betreffend. Hamburger Künstler




Kritiken und Berichte. Die Kunstwerke betreffend. Hamburger Künstler


12. Aus: Die Hamburger Kunstausstellung 1837: Hamburger Künstler (von de Chateauneuf.)
Um die Mitte der Neunziger Jahre kam Philipp Otto Runge nach Hamburg. - Die Ansprüche, welche der reife Mann, der ein neues Fach ergreift, an sich macht, sind stets bedeutend, und Runge war des Geistes, daß wenig ihm von lebenden Meistern um die Zeit geboten werden konnte. Er begann deshalb im Technischen mit den ersten Anfängen, von denen aus ein Menschenalter eben nicht hinreicht, um ein Erkleckliches weiter zu rücken, und legte in die abstracten Werthe der Farben vielleicht mehr Sinn, als dem Schaffenden sich bewußt zu werden nützlich ist. So entstand seine Farbentheorie, welcher unter andern Goethe's Anerkenntniß zu Theil wurde.
Diese Principien suchte er nun besonders in vier Bildern, den allegorischen Darstellungen des Tages, practisch zu entwickeln. Die dunkle My-sterie der Sinnenwelt sollte sich hier entwickeln. Seine tiefe Einsicht in den Pflanzen-Organismus, sein glückliches Talent für reizend sich aussprechende Kindergenien verliehen den arabeskenartigen Rändern, welche Hauptbestandtheile dieser Bilder ausmachen, einen bleibenden Werth. Radirungen, welche noch in den Buchhandlungen zu haben sind, geben ei-
nen Begriff dieser Entwürfe als Zeichnung. Görres hat sie vortrefflich im ersten Jahrgange der Heidelberger Jahrbücher der Literatur auszulegen verstanden. - Wahrscheinlich wollte Runge dieselbe naturphilosophische Mythe hier ausdrücken, welcher Cornelius durch seine elementarischen Reiche der Ober-, Unter-, Licht- und Wasserwelt in der Glyptothek schon plastisch näher gekommen ist, und welche Schinkel, durch nachzuweisende Geistesverzweigung mit Runge'schen Freunden angeregt, in seinen Bilderpro-jecten für die Halle des Museums zu entwickeln sich bestrebte.
Die eigentliche Weihe sollten Runge's Tageszeiten aber erst durch die Farbe erhalten. Nur diejenige des Morgens brachte er seinem Ziele näher; eine colorirte Zeichnung hiernach ist auf der Ausstellung Nr. 542.
Außer einigen biblischen Compositionen entwarf er besonders Zeichnungen zu Bildern aus dem Ossian. Am ausgezeichnetsten zeigte sich sein Talent in Ornaten aus dem Pflanzenreiche, wo er die wunderbarste Erforschung der Formen in ausgeschnittnen Papierstreifen und Zeichnungen an den Tag legte.


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