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Philipp Otto Runge

An Pauline


An Pauline Wollgast den 18 März 1806

An Pauline


Wollgast #267 den 18 März 1806. Liebste Pauline
wir sind diese Nacht um 12 hier angekommen und sind gestern nur vom Paß, wo wir die lezte Nacht waren, gefahren, so schlecht waren die Wege und so dunkel wurde es, heut morgen im Bett hab ich gleich deinen Brief gekrigt und es freut mich von herzen, daß du munter bist und hoffe, daß du auch so geblieben. Küsse, grüße und herze den Jungen allermeist. wir sind die Nacht zwischen durch, wie wir dicht von Gadebusch Nachricht gaben, in Neukrug gewesen, wenn du dich erinnerst, in den Wirtshaus was so einsam liegt, wo es noch so regnete, zwischen Güstrow und Schwerin, es ist 2 Meilen von Güstrow, da war kein mensch wie das Mädchen und 1 Licht zu hause, und wir haben einige Stunden im Wagen auf der Diele geschlafen, ehe die Leute zu hause waren, in Güstrow läßt Hr. Lönnies und seine neue frau dich grüßen, aufm Paß schliefen wir in dasselbe bett und führen erst den Morgen durchs Wasser. in Greifswald war Hoffmann wieder nicht zu hause, die Frau und auch Hr. Quistorp grüßen dich. hier waren sie schon alle zu bett, und die hausthür war unverschlossen, so daß wir nicht anders als sie erschrecken konten, Hellwigsch war gestern abend auch gekommen, doch hat die, ihre Kinder Gustav und Mrieken, nichts erfahren bis heut morgen. sie sind hier alle wohl, u. Jacob sein kleiner Junge ist recht dick und ebenso schweer wie Siegmund, der Friz ist nur schwächlich, aber doch munter.

Ich will dich bitten liebe Pauline, wenn Mettlerkamp bey dir kommen solte, daß du ihm sagst, daß ich seine Frau fertig mahlen würde #268, sobald ich wieder käme zu Ostern. wenn es trocken und still Wetter ist, so laß doch oben das fenster aufmachen, damit es besser trocknet. Ich grüße alle Freunde, die etwa kommen solten. solte Staudinger kommen, so laß dir nur bescheit sagen und sag ihm, daß ich zu ihm kommen würde, sobald ich wieder käme oder ob er uns zu Ostern besuchen wolte, ich schreibe dir vieleicht noch für ihm bescheid.

Mit Mutter und Stienchen u. Mr.(ieken) werde ich gehörig verabreden was du nötig hast zu besorgen. Grüße alle unsre lieben Freunde. Geh doch öfter zu Hüls.(enbeck) u. tröste die arme Trinette wie du kanst. grüße auch Perthes, sag aber vorzüglich Besser, ich würde heut Mittag nicht Lottchen ihren Geburtstag vergessen, grüße alle auch im hause. Gott erhalt dich und bewahr euch für schreck u. krankheit, sey hübsch lustig und drück und küß den Siegmund. ich freue mich, wenn wir uns wiedersehn werden.

Dein Otto

267 | Philipp Otto begleitete seinen Bruder Daniel im März 1806 auf einer Geschäftsreise nach Wolgast, um die Katastrophe, die das Handelshaus durch falsch angesagtes Vertrauen bedrohte, noch möglichst abzuwenden. (vgl. H. S. II, 500).

268 | Das Portrait ist noch nicht wieder aufgefunden.


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