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Philipp Otto Runge

An Carl


An Carl Hamburg den 19 Febr 1806

An Carl


Liebster Carl
Von Herzen leid thut es mir, daß dein Brief, der am Sonnabend abend schon kam, nicht früher als heute beantwortet werden konte. es ist recht was schändliches mit den Posten so wie man nahe an das liebe Vaterland kömmt.

Ich habe den Bericht an Lappenberg gezeigt und an sonst niemand, weil wir glauben, diese Sache muß, so wie sie da ist, ziemlich klar seyn, und auf den weiten Ruhm eines Mannes kömmts nicht an u. ist schon ziemlich viel, wenn jemand das Vertrauen einer solchen Stadt als Practischer Artzt besitzt, wie dieser hier in Hamburg – Er war sehr zufrieden mit den Bericht und sagte er wüste nichts zu sagen und was er sagen könte, traute er, würde wol geschehen sein, wenn jetzt die Zeit wieder da wäre, wo der Husten ein träte, so könte man doch nicht auf die Reinigung dringen u. würken wollen, weil es zu gefährlich sey, er habe bey einer so großen Schwäche und Entkräftung wenig oder keine Hofnung und sagte, wenn man hoffen wolte, daß sich die Natur noch hülfe, so würde das einzige sein, um die Entkräftung so viel als möglich vorzubeugen und den Reiz von der brust zu vertreiben (glaub ich sagte er), daß man gegen die Nacht schweiße, Salbeythee gebrauchte, und wenn es möglich wäre zur stärkung Isländischmoos und hofte er, daß es schon gebraucht würde, und könte er oder brauchte nicht zu sagen wie, weil der Arzt das besser wissen u. sehen könne, ob es anginge wegen der Diarée, weil diese u. die Nachtschweiße sie gar am meisten schwächten, – wenn es möglich wäre, daß bei den Moos noch China mitgebraucht werden könte oder wenn sich beydes nicht wolte thun lassen, Sallb. was der kleine Augut: bey H(ülsenbeck)s nun auch immer krigt. – er sagte dies wäre das, was er noch sagen könte, den(n) bey so schwachen Umständen, könne nicht viel gethan werden, er sagte dieses auch blos und glaubte, daß ohne ihm der Arzt dasselbe thun würde, so bündig der Bericht wäre,

Gott helfe unser armes Lottchen und unsre liebe schwester es zu ertragen, ich bin über jeden brief erschrocken, der von Euch oder W. gekommen ist, es ist was unbeschreibliches in diesen Alter zu sterben, und wenn uns die Person völlig unbekannt ist, so ist es doch ein unnatürliches Gefühl und will uns weit weniger ein, als wie bey Kinder oder Älteren leuten, auch ist es wohl der furchtbarste Kampf, daß indem der eigentliche Wille eintrit, derselbe soll gebrochen werden, und er muß doch. Gott stehe unser Lottchen bey und helfe uns all.

Was du über die committirten Waaren hinten an schreibst, hat D(anie)l sich bemerkt, derselbe wird wol noch zu hause reisen, doch ist es nicht aus gemacht, ich hatte ihn angebeten u. hab es noch willens, wenn ers will, ihm zu begleiten und auf der Reise zu röken, so hätten wir uns noch früher gesehen, doch glaub ich nicht daran.

Wir befinden uns sehr wohl doch hat der S(iegmund) noch immer was von den Husten, ist aber sonst so fix, daß ich hoffe, er lernt noch gehen ehe wir nach W. kommen, grüße deine Hein(riken) nur allermeist und sag ihr, sie solte nur Gott danken und recht lustig sein, fröhlichen u. upgemunterten Gemüths, so thäte hernach der Planet nicht viel wenn da Melankolisch instünde und sonst hilfts den Planeten noch auf die beine.

Grüße unsern Lieben David u. seine Frau, Kinder etc von ganzen Herzen, Paul(ine) thut dasselbe, sie ist munter, Gott er halte euch gesund und gebe dir und unsern lieben in Pleetz das beste.

Ewig dein Otto


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