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Philipp Otto Runge

An Carl Friedrich Bassenge*


An Carl Friedrich Bassenge Wollgast d. 25. August 1803.

An Carl Friedrich Bassenge*

* = #133

Lieber Vater Bassenge.
So eben kömmt mein Vater und sagt, daß wir eine Reise nach der Oie #134 oder der Insel in der Ostsee machen wollen, es ist ganz vortrefliches Wetter, nur etwas Contrairer wind, es wird aber schon gehen mit etwas lavieren, dann sind wir morgen Abend wieder hier. wir seegeln alle mit, und blos mein bruder Jac:(ob) Fr:(iedrich) mit seiner Frau bleiben zu hause, und so werden wir wens gut geht, heute noch manche Kranke haben, ich verspreche Ihnen aber, daß diese Krankheiten nicht viel zu bedeuten haben sollen. wir wünschen oft recht sehr, daß Sie und Louise doch auch hier seyn mögten und müssen uns aber so behelfen. Uebermorgen Nachmittag werden uns die Mecklenburger auch noch besuchen, der David, seine Frau und dicker junge. Pauline ist mit einmahl gegen dieser jungen frau zu einer sehr schlanken Person geworden, damit sie aber nicht ganz in Verfall kömmt, thun wir den(n) unser möglichstes mit essen und trinken und ander weitiger Gemüthergötzungen. mein Bruder Daniel aus Hamburg hat gar keine Zeit zu kommen, die haben, verbunden mit Claussen gebrüder in Hamb:, in Tönningen ein Speditionshaus errichtet, wo itzt alle Hamburger fahrt hingeht und von da, die zu Spedirenden Waaren nach Hamburg, über die Watten, und nach der Ostsee, durch den Canal, befördert werden. sie haben dort so viel zu thun, daß sie in Hamburg nicht leute genug kriegen könen, die sie dort gebrauchen, und sind dort die Einzigen in ihren fach, so daß ihnen die Geschäfte über den Kopf wachsen. in Wismar geht es ihnen ebenso, seit der Ort an Mecklenburg gekommen und die Franzosen auch miene machen, die Lübecker Rheede zu sperren, sind die Häuser um zweymahl so viel gestiegen und ziehen sich alle Geschäfte dort hin.
die Mutter wird Ihnen wol geschrieben haben, daß sie sich über Ihren gestrigen Brief sehr gefreut hat, da sie vermuthete, sie würden nicht mehr schreiben. es freut mich, daß Sie, lieber Vater, wohl sind, nur daß ich mir schmeicheln darf, daß die gute Mutter sich hier wohlbefindet als wäre sie zu hause, daß meine Eltern Ihr nicht fremde sind, und daß die Achtung beyder familien durch die Persönliche bekantschaft gewiß eher gewonnen als verlohren hat, Sie sollen mich gewiß auch immer so finden wie ich gewesen bin, so halte ich fest an Ihrer Freundschaft und weiche und wanke nicht in meinen Vorsätzen, Grüßen Sie Georgis und Loewens Madam Melizet bitte ich bey Graffs zu grüßen, Mama und Louischen küsse ich und Sie auch.
Ihr gehorsamer Sohn

Otto Runge


133 | Am 7. August reisten Runge, Pauline und deren Mutter von Dresden nach Wolgast, wo sie am 16. d. Mts. eintrafen.

134 | Die Greifswalder Oie, die nördlich von Wolgast in der See liegt, eine winzig kleine Insel, bekannt als Lotsenstation.


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