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Philipp Otto Runge

An Daniel


Wolg 2,238 # 20. August 1803

An Daniel


-Lieber Daniel, es geht einem doch manchmal anders,
als man dachte. Ich wollte hier recht viel sagen und singen, und finde nun, daß das Stillschweigen hier das
allerbeste ist; ich kann wenigstens zu nichts anderm kommen, dann bin ich auch in die Pflege meines Leibes
hineingerathen, die zwar auch nöthig ist, denn ich hatte sie würklich die It .zte Zeit in Dresden sehr
vernachlässigt, jetzt aber gedeiht mir alles ganz vorzüglich. Mit den Speculationen, hier zu l~ande große
Kunstproducte aufzustellen, komme ich wohl nicht zu Stande. Die, welche hier fähig wären, sie zu verstehen,
durch ihre unverdorbne gute Natur, finden nicht das geringste Bedürfniß dafür in sich; die Andern, die ein
Bedürfniß fühlen, haben ein modernes. Wenn man hier aber irgend jemand finden könnte, der durch
diesesmoderne Bedürfniß der Kunst hindurch zum Bedürfniß für sein Gemüth durchgedrungen wäre, so bin
ich überzeugt, daß hier alles Schöne recht seinen Platz gefunden hätte, weil es hier bloß auf den ersten
ankommt. Heute Abend kommt Quistorp, um mich zu besuchen, und da er doch vieles begreifen könnte, und
hier im Lande der Baumeister ist, fragt es sich, ob er vielleicht mit Reichen zusammenliinge, die für muntre
lebendige Sachen aufgelegt wären: wenn nur nicht soviel hier gelesen würdet --


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