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Philipp Otto Runge

An Friedrich Perthes


An Friedrich Perthes Dresden den 19 Dec 1802

An Friedrich Perthes


Lieber Perthes!
+Ich bin auf eine andre weise jetzt ebenso verblüfft wie in halle der Daniel kam #96 und muß nur des morgens immer mahl besinnen, ob es mir nicht geträumt hat+, Hr. Jesus es ist doch ich möchte wände angehen, aber nun ordentlich,
Lieber, du hast mich ganz verstanden und das was du von mir hälst, ich kann es ja wol sagen, halte ich auch von mir, mehr aber auch wirklich nicht, und es ist auch schon genug. mir ist für dich nicht nur bange, daß z. B. Specter, wenn ich wieder nach Hamburg komme, mir das nicht so glauben werden, weil ich so viel jünger bin, daß ich es so gut und wol besser einsehe, was die sache ist, und das gestehe ich dir aufrichtig, diese streitigkeiten, ich kenne sie ja recht gut, mich bange machen für die vielen, für einen der wirklich ausübend die Kunst liebt, zu deutlichen und ertödtenden erklärungen, ich kann es nicht leuchnen, daß ich mir erst, wenn ich zu euch käme, ohne Streit ganz gegen euch aus sprechen mögte, ich habe darin mehr gedult still zu schweigen wie ihr, erst und alles zu hören, denn in meinen Briefen habt ihrs doch nur bruchstückweise und nicht den Zusammenhang weiter hab ich auch nicht das geringste dawieder, bey euch zu leben, und alles andre ist so sehr dafür, daß ich mir gar nichts andres wünsche,
+Nun lieber, zu dem, was über das brod zu sagen ist, das hab ich schon an Caroline gesagt, nicht anders und besser als auf den platten lande wächst, und von diesen Platten lande fühle ich doch neben den anmuthigen Gegenden auch so viel in mir, das ich es fest glaube, davon leben zu können, wenn ihr mir mit der landwirtschaft nur ein bischen an hand gehen wollt,
die Großen bilder und sachen sind das also nicht worauf sich zu verlassen ist, sondern das, was man so ohne umstände aus den Aermel schütten kann, denn wer von der Anstrengung leben will, stirbt an der Erschlaffung. Zu erst will ich nur sagen was, da ich doch das beste immer forttreiben muß, nicht angeht, nemlich sich aufs Potraitmahlen zu aplliciren, das geht garnicht, dann Unterricht, oder gar Calender Kupfer, und alles was dahin schlägt, Bilder handel nur eine gewisse weise, nicht wie gewöhnlich. daß ich aber wie ich dir schon geschrieben durch Zimmerverziehrungen viel thun könnte, scheint mir das aller sicherste zu sein, es läßt sich aber nur gar nicht thun, wenn ich dort hin käme und das ich so sagte, ich hab nun auch zu Weihnacht meine Rähme geschickt, (den Weinrahm #97 schickt ihr mir wol wieder) seht mahl, ich meine so, das ist es, was mich in einem stück so ruhig macht, es ist doch in den Wein da, in den Kindern eben so, ein gewisses, was grade Barg, Hartmann etc. so unbegreiflich finden, es ist eine gewisse harmonie und volkommenheit darin, die eigentlich in mir ist und die zu meiner großen freude in allen, was ich mache, auch im Mahlen, mehr um sich greift. dieses kann keiner leuchnen, daß es ihm anzieht und das ist es grade was ich ohne Umstände, blos dadurch mache. wenn ich recht lustig und ruhig bin könnte ich ein ganzes bild so durchgängig behandeln wie ich es in den Augenblicken fühle, mit solcher bestimmtheit und geschwindigkeit, so würde ich sagen, ich wäre ein Mahler, das muß aber kommen, so aber sind tausend Gestalten und lustige Comische herhaben und liebliche bilder in mir, die nur durch Arabeske können ausgeführt werden. ich werde jetzt arbeiten tag und nacht, um sie blos so aufzusetzen, daß man sie jemand vorlegen kann, sieh solche Kleinigkeiten ziehen am allermeisten an, und ich bin so gar versichert, daß ich mir durch das Ausschneiden, (wenn ich es nur als spielerey betrachte) viel verdinen könnte, wenn ich nun mit diesen Plan da gleich breit auftreten wollte, so würde es so nicht gehen, aber ich meine so, wenn ich einige Jahre nur erst was anderes treiben könnte, was sicher wäre, und dis den leuten so vormachte, (allenfalls auf meinem oder in euren Zimmern) als wenn ich es nicht nöthig hätte, da müste es doch Curjos sein, wenn man nicht vielen leuten ordentlich so lust machen könnte, so was auch zu haben, und wenn es erst so sehr ton wird, dann ist man geborgen, ich meine, daß ich schon viele figuren und situationen während dieser Zeit gezeichnet hätte, daraus läßt sich mit plaisir dan(n) viel neues machen u. zusammenstellen. wann ich nun die sachen so Componirte, könnte ich Hardorff und andren noch einen Dienst damit erweisen, wenn sie sie ausführten, wenn den leuten das nur auf eine schickliche Weise unter den fuß gegeben würde, mit den Mahlermeistern läßt sich das auch schon machen so etwas läßt sich auf so verschiedene Weise thun+; sieh, so kam ich neulich bey den Adjutanten des Curfürsten, der bat mich ich sollte ihm doch mahl erlauben, meine Blumen, die ich nur so auf der Reise ausgeschnitten an den Curfürsten zu zeigen, er bot sich überdem mit den Gärtner zu Pilniz mich im Sommer [mich] bekant zu machen, so stehe ich auch bey den hausmarschall und Maitr(e) de Plaisir Rachniz in Ansehen, und wen(n) ich der frau von R.(achniz) erst mein Weihnachtsgeschenk mache, da wird follends der henker los seyn, +mit so etwas muß man nur thun als nichts, den(n) könnens die leute nicht begreifen, und so dummes läppisches Zeuch wie das nu ist, so kann einen das in brod hinsicht am allermeisten helfen+, ich hab nun auf den Curfürsten gar nicht Entrirt und spas daraus gemacht, hab auch neulich bey Graff zu des Curfürsten beine stehen müssen, wenn man solche tolle sachen so weit bringen kann, daß sie vor den Curfürsten selbst kommen und ihm auf der Ausstellung selbst was vor augen bringt. das ist die wahre Art es dahin zu bringen, daß ein jeder man für was unmenschlich gescheutes hält. +ich bleibe doch den Sommer noch gewiß hier, und das sehe ich ein, daß ich so ungerne ich es wollte ehe ich zu Euch gehe, mir doch noch einen Blahm machen muß und zwar auf eine reelle weise, das ist aber nicht schwer, es kömmt so sehr darauf an, sich nur nicht lächerlich zu machen, und wenn andre lachen wolln, geschwind zuerst anzufangen
Daniel hat mir viel gutes darüber gesagt, und ich werd ihn am Mittwoch schreiben, heut ist keine Zeit mehr, ich habe Pauline gesagt, daß ehe ich sie mitnehmen könnte, ich selbst wol erst einige Zeit nach Hamburg gehen mögte, das fand sie auch sehr natürlich, ich denke, lieber Perthes, es sind so viele leute um einen, die viel weniger können und doch leben, wenn ihr es mir nur anmerken könntet, wo es mir sitzt, ich weis das nur nicht, dieses alles nur vorläufig+, bald mehr und ausführlich an Daniel.
schreibt mir doch auch von euren Weihnachten wie es ist, ich habe dich von herzen lieb, all zusammen grüße in Wandsbeck

dein Otto

sage Daniel er soll nicht böse werden, daß ich ihn nicht auch geschrieben hörst du

96 | Im Frühjahr hatte Perthes Runge zu einer Ausfahrt nach Halle gebeten, wo Runge unvorbereitet seinen Bruder Daniel warten sah, der sich um Runges Seelenzustand kümmern wollte. (Vergl. Anm. 66.)

97 | Rahmenzeichnung zu Die Freuden des Weins".


Version 1:
Runge, Philipp Otto (1965): Hinterlassene Schriften. Band I und II. Hrsg. von dessen ältestem Bruder Johann Daniel Runge. Faks. Nachdruck. 1. Aufl. 1840, Göttingen. > "An Friedrich Perthes" *

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Lieber Perthes, ich bin auf andre Weise jetzt eben so verblüfft, wie da
in Halle der Daniel kam, und muß mich Morgens immer erst einmal besinnen, ob es mir nicht etwa nur
geträumt hat. ---Nun, Lieber, zu dem, was über das Brod zu sagen ist, das, wie ich schon an Karoline
geschrieben, nicht anders und besser wächst, als auf dem platten Lande, und von diesem fühle ich doch
neben den anmuthigen Gegenden auch soviel in mir, daß ich fest glaube, davon leben zu können, wenn ihr
mit der Landwirthschaft nur ein wenig an Hand gehen wollt. Die großen Bilder und Sachen sind es also
nicht -darüber wären wir einig -worauf sich zu verlassen ist, sondern das, was man so ohne viele
Umstände aus dem Aermel schüttenn kann; denn wer von der Anstrengung leben will, stirbt an der
Erschlaffung. Zuerst will ich nun bemerken, was, da ich doch das Beste immerfort treiben muß, nicht angeht,
nämlich mich (des Erwerbs halber) auf's Portaitmahlen zu appliciren, das geht gar nicht; so wenig als
Unterricht, oder gar Kalenderkupfer und alles, was dahinein schlägt; Bilderhandel nur auf eine gewisse
Weise, nicht für gewöhnlich; -daß ich aber, wie ich dir schon geschrieben, durch Zimmerverzierungen viel
leisten könnte und dies scheint mir das allersicherste zu seyn. Es ließe sich aber nur gar nicht thun, wenn ich
dorthin käme und das nur so sagte. Ich habe euch jetzt zu Weihnachten meine Arabeskenrahmen geschickt,
und seht einmal, ich meyne, das ist es, was mich in einem Stücke so ruhig macht: Es ist doch in dem
Weinstück und da in den Kindern so ein Gewisses von mir, was grade diese und jene so unbegreiflich finden,
eine gewisse Harmonie und Vollendung, die im Grunde in mir ist und die zu meiner großen Freude in allem,
was ich mache, auch im Mahlen, mehr um sich greift; dieses kann Keiner läugnen, daß es ihn anzieht, und
es ist grad das, was ich so ohne viel Umstände bloß dadurch und dann mache, daß und wann ich recht
fröhlich und ruhig bin. Könnte
ich ein ganzes Tableau so durchgängig behandeln, wie ich es in den Augenblicken fühle, mit
solcher Bestimmtheit und Geschwindigkeit, so würde ich sagen, ich wäre ein Mahler; -das muß aber
kommen. -So aber sind schon tausend Gestalten und heitre komische Handhaben und liebliche Bilder in
mir, die nur durch Arabeske können ausgeführt werden; ich werde jetzt arbeiten, Tag und Nacht, um sie bloß
so aufzusetzen, daß man sie jemand vorlegen könne; sieh', solche Kleinigkeiten ziehen am allermeisten an;
wenn ich aber mit diesem Plan da breit auftreten wollte, das würde so nicht gehen, aber ich meyne so: Wenn
ich nur anfangs einige Jahre etwas andres treiben könnte, das sicher wäre, und dies inzwischen so vor die
Leute brächte, allenfalls auf meinen eignen, oder in euern Zimmern, als wenn ich es nicht nöthig habe, da
müßte es doch seltsam seyn, wenn man nicht Vielen ordentlich Lust machen könnte, so etwas auch zu
haben, und wenn es dann erst Ton wird, ist man geborgen.


Ich meyne so, daß ich schon viele Figuren und Situationen während der paar Jahre gezeichnet hätte;
darauf läßt sich mit Vergnügen dann viel neues machen und zusammenstellen, und wenn ich nun die Sachen
so componirte, könnte ich andern braven Künstlern noch einen Dienst damit leisten, wenn sie sie
auszuführen bekämen, wenn es ihnen nur auf schickliche Weise untern Fuß gegeben würde; auch mit den
Mahler-Amtsmeistern läßt sich dergleichen schon machen. So etwas läßt sich auf höchst verschiedene Art
in's Werk richten. -Mit so etwas muß man nur thun, als wäre es nichts, dann können es die Liebhaber nicht
begreifen, und solche Allotrien das nun auch zu seyn scheinen, so kann einem das in Hinsicht auf Brod
grade am meisten helfen. -


Ich bleibe doch nächsten Sommer noch gewiß hier, und soviel sehe ich ein, daß ich, so ungern ich es
wollte, ehe ich zu euch gehe, mir doch noch einen gewissen Ruf hier machen muß, und zwar auf eine reelle
Weise. Das ist aber nicht schwer; es kommt so sehr darauf an, sich nur nicht lächerlich zu machen, und
wenn Andre lachen wollen, geschwind' es zuerst zu thun. -Ich habe Pauline gesagt, daß ich, ehe ich sie
mitnehmen könnte, selbst wohl erst auf einige Zeit nach Hamburg gehen möchte. Das fand sie auch sehr
natürlich. Ich denke, lieber Perthes: es sind so viel Menschen um einen, die viel weniger können und doch
leben. Wenn ihr es mir nur abmerken könntet zu dem Zweck, wo es mir sitzt, ich weiß das nur nicht so. Dieses
alles nur vorläufig.


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An Friedrich Perthes Dresden den 19 Dec 1802

2,186 # 19. Dezember 1802



An Friedrich Perthes

An Perthes



Lieber Perthes!
+Ich bin auf eine andre weise jetzt ebenso verblüfft wie in halle der Daniel kam #96 und muß nur des morgens immer mahl besinnen, ob es mir nicht geträumt hat+, Hr. Jesus es ist doch  ich möchte wände angehen, aber nun ordentlich,
Lieber, du hast mich ganz verstanden und das was du von mir hälst, ich kann es ja wol sagen, halte ich auch von mir, mehr aber auch wirklich nicht, und es ist auch schon genug. mir ist für dich nicht nur bange, daß z. B. Specter, wenn ich wieder nach Hamburg komme, mir das nicht so glauben werden, weil ich so viel jünger bin, daß ich es so gut und wol besser einsehe, was die sache ist, und das gestehe ich dir aufrichtig, diese streitigkeiten, ich kenne sie ja recht gut, mich bange machen für die vielen, für einen der wirklich ausübend die Kunst liebt, zu deutlichen und ertödtenden erklärungen, ich kann es nicht leuchnen, daß ich mir erst, wenn ich zu euch käme, ohne Streit ganz gegen euch aus sprechen mögte, ich habe darin mehr gedult still zu schweigen wie ihr, erst und alles zu hören, denn in meinen Briefen habt ihrs doch nur bruchstückweise und nicht den Zusammenhang  weiter hab ich auch nicht das geringste dawieder, bey euch zu leben, und alles andre ist so sehr dafür, daß ich mir gar nichts andres wünsche,
+Nun lieber, zu dem, was über das brod zu sagen ist, das hab ich schon an Caroline gesagt, nicht anders und besser als auf den platten lande wächst, und von diesen Platten lande fühle ich doch neben den anmuthigen Gegenden auch so viel in mir, das ich es fest glaube, davon leben zu können, wenn ihr mir mit der landwirtschaft nur ein bischen an hand gehen wollt,

Lieber Perthes, ich bin auf andre Weise jetzt eben so verblüfft, wie da
in Halle der Daniel kam, und muß mich Morgens immer erst einmal besinnen, ob es mir nicht etwa nur
geträumt hat. ---Nun, Lieber, zu dem, was über das Brod zu sagen ist, das, wie ich schon an Karoline
geschrieben, nicht anders und besser wächst, als auf dem platten Lande, und von diesem fühle ich doch
neben den anmuthigen Gegenden auch soviel in mir, daß ich fest glaube, davon leben zu können, wenn ihr
mit der Landwirthschaft nur ein wenig an Hand gehen wollt. Die großen Bilder und Sachen sind es also
nicht -darüber wären wir einig -worauf sich zu verlassen ist, sondern das, was man so ohne viele
Umstände aus dem Aermel schüttenn kann; denn wer von der Anstrengung leben will, stirbt an der
Erschlaffung. Zuerst will ich nun bemerken, was, da ich doch das Beste immerfort treiben muß, nicht angeht,
nämlich mich (des Erwerbs halber) auf's Portaitmahlen zu appliciren, das geht gar nicht; so wenig als
Unterricht, oder gar Kalenderkupfer und alles, was dahinein schlägt; Bilderhandel nur auf eine gewisse
Weise, nicht für gewöhnlich; -daß ich aber, wie ich dir schon geschrieben, durch Zimmerverzierungen viel
leisten könnte und dies scheint mir das allersicherste zu seyn. Es ließe sich aber nur gar nicht thun, wenn ich
dorthin käme und das nur so sagte. Ich habe euch jetzt zu Weihnachten meine Arabeskenrahmen geschickt,
und seht einmal, ich meyne, das ist es, was mich in einem Stücke so ruhig macht: Es ist doch in dem
Weinstück und da in den Kindern so ein Gewisses von mir, was grade diese und jene so unbegreiflich finden,
eine gewisse Harmonie und Vollendung, die im Grunde in mir ist und die zu meiner großen Freude in allem,
was ich mache, auch im Mahlen, mehr um sich greift; dieses kann Keiner läugnen, daß es ihn anzieht, und

die Großen bilder und sachen sind das also nicht worauf sich zu verlassen ist, sondern das, was man so ohne umstände aus den Aermel schütten kann, denn wer von der Anstrengung leben will, stirbt an der Erschlaffung. Zu erst will ich nur sagen was, da ich doch das beste immer forttreiben muß, nicht angeht,  nemlich sich aufs Potraitmahlen zu aplliciren, das geht garnicht, dann Unterricht, oder gar Calender Kupfer, und alles was dahin schlägt, Bilder handel nur eine gewisse weise, nicht wie gewöhnlich.  daß ich aber wie ich dir schon geschrieben durch Zimmerverziehrungen viel thun könnte, scheint mir das aller sicherste zu sein, es läßt sich aber nur gar nicht thun, wenn ich dort hin käme und das ich so sagte, ich hab nun auch zu Weihnacht meine Rähme geschickt, (den Weinrahm #97 schickt ihr mir wol wieder) seht mahl, ich meine so, das ist es, was mich in einem stück so ruhig macht, es ist doch in den Wein da, in den Kindern eben so, ein gewisses, was grade Barg, Hartmann etc. so unbegreiflich finden, es ist eine gewisse harmonie und volkommenheit darin, die eigentlich in mir ist und die zu meiner großen freude in allen, was ich mache, auch im Mahlen, mehr um sich greift. dieses kann keiner leuchnen, daß es ihm anzieht und das ist es grade was ich ohne Umstände, blos dadurch mache. wenn ich recht lustig und ruhig bin  könnte ich ein ganzes bild so durchgängig behandeln wie ich es in den Augenblicken fühle, mit solcher bestimmtheit und geschwindigkeit, so würde ich sagen, ich wäre ein Mahlerdas muß aber kommen,  so aber sind tausend Gestalten und lustige Comische herhaben und liebliche bilder in mir, die nur durch Arabeske können ausgeführt werden. ich werde jetzt arbeiten tag und nacht, um sie blos so aufzusetzen, daß man sie jemand vorlegen kann, sieh solche Kleinigkeiten ziehen am allermeisten an, und ich bin so gar versichert, daß ich mir durch das Ausschneiden, (wenn ich es nur als spielerey betrachte) viel verdinen könnte,  wenn ich nun mit diesen Plan da gleich breit auftreten wollte, so würde es so nicht gehen, aber ich meine so, wenn ich einige Jahre nur erst was anderes treiben könnte, was sicher wäre, und dis den leuten so vormachte, (allenfalls auf meinem oder in euren Zimmern) als wenn ich es nicht nöthig hätte, da müste es doch Curjos sein, wenn man nicht vielen leuten ordentlich so lust machen könnte, so was auch zu haben, und wenn es erst so sehr ton wird, dann ist man geborgen,  ich meine, daß ich schon viele figuren und situationen während dieser Zeit gezeichnet hätte, daraus läßt sich mit plaisir dan(n) viel neues machen u. zusammenstellen. wann ich nun die sachen so Componirte, könnte ich Hardorff und andren noch einen Dienst damit erweisen, wenn sie sie ausführten, wenn den leuten das nur auf eine schickliche Weise unter den fuß gegeben würde, mit den Mahlermeistern läßt sich das auch schon machen  so etwas läßt sich auf so verschiedene Weise thun+; sieh, so kam ich neulich bey den Adjutanten des Curfürsten, der bat mich ich sollte ihm doch mahl erlauben, meine Blumen, die ich nur so auf der Reise ausgeschnitten an den Curfürsten zu zeigen, er bot sich überdem mit den Gärtner zu Pilniz mich im Sommer [mich] bekant zu machen, so stehe ich auch bey den hausmarschall und Maitr(e) de Plaisir Rachniz in Ansehen, und wen(n) ich der frau von R.(achniz) erst mein Weihnachtsgeschenk mache, da wird follends der henker los seyn, +mit so etwas muß man nur thun als nichts, den(n) könnens die leute nicht begreifen, und so dummes läppisches Zeuch wie das nu ist, so kann einen das in brod hinsicht am allermeisten helfen+, ich hab nun auf den Curfürsten gar nicht Entrirt und spas daraus gemacht, hab auch neulich bey Graff zu des Curfürsten beine stehen müssen, wenn man solche tolle sachen so weit bringen kann, daß sie vor den Curfürsten selbst kommen und ihm auf der Ausstellung selbst was vor augen bringt. das ist die wahre Art es dahin zu bringen, daß ein jeder man für was unmenschlich gescheutes hält. +ich bleibe doch den Sommer noch gewiß hier, und das sehe ich ein, daß ich so ungerne ich es wollte ehe ich zu Euch gehe, mir doch noch einen Blahm machen muß und zwar auf eine reelle weise, das ist aber nicht schwer, es kömmt so sehr darauf an, sich nur nicht lächerlich zu machen, und wenn andre lachen wolln, geschwind zuerst anzufangen

es ist grad das, was ich so ohne viel Umstände bloß dadurch und dann mache, daß und wann ich recht
fröhlich und ruhig bin. Könnte
ich ein ganzes Tableau so durchgängig behandeln,
 wie ich es in den Augenblicken fühle, mit
solcher Bestimmtheit und Geschwindigkeit
, so würde ich sagen, ich wäre ein Mahler; -das muß aber
kommen. -So
 aber sind schon tausend Gestalten und heitre komische Handhaben und liebliche Bilder in
mir, die nur durch Arabeske können ausgeführt werden; ich werde jetzt arbeiten, Tag und Nacht, um sie bloß
so aufzusetzen, daß man sie jemand vorlegen könne; sieh', solche Kleinigkeiten ziehen am allermeisten an;
wenn ich aber mit diesem
 Plan da breit auftreten wollte, das würde so nicht gehen, aber ich meyne so: Wenn
ich nur anfangs
 einige Jahre etwas andres treiben könnte, das sicher wäre, und dies inzwischen so vor die
Leute brächte, allenfalls auf meinen eignen,
 oder in euern Zimmern, als wenn ich es nicht nöthig habe, da
müßte
 es doch seltsam seyn, wenn man nicht Vielen ordentlich Lust machen könnte, so etwas auch zu
haben, und wenn es dann erst Ton wird, ist man geborgen.


Ich meyne so
, daß ich schon viele Figuren und Situationen während der paar Jahre gezeichnet hätte;
darauf
 läßt sich mit Vergnügen dann viel neues machen und zusammenstellen, und wenn ich nun die Sachen
so componirte
, könnte ich andern braven Künstlern noch einen Dienst damit leisten, wenn sie sie
auszuführen bekämen, wenn es ihnen
 nur auf schickliche Weise untern Fuß gegeben würde; auch mit den
Mahler-Amtsmeistern
 läßt sich dergleichen schon machen. So etwas läßt sich auf höchst verschiedene Art
in's Werk richten. -Mit
 so etwas muß man nur thun, als wäre es nichts, dann können es die Liebhaber nicht
begreifen, und solche Allotrien das nun auch zu seyn scheinen, so kann einem das in Hinsicht auf Brod
grade am meisten helfen. -


Ich bleibe doch nächsten Sommer noch gewiß hier, und soviel sehe ich ein
, daß ich, so ungern ich es
wollte,
 ehe ich zu euch gehe, mir doch noch einen gewissen Ruf hier machen muß, und zwar auf eine reelle
Weise. Das
 ist aber nicht schwer; es kommt so sehr darauf an, sich nur nicht lächerlich zu machen, und

Daniel hat mir viel gutes darüber gesagt, und ich werd ihn am Mittwoch schreiben, heut ist keine Zeit mehr, ich habe Pauline gesagt, daß ehe ich sie mitnehmen könnte, ich selbst wol erst einige Zeit nach Hamburg gehen mögte, das fand sie auch sehr natürlich, ich denke, lieber Perthes, es sind so viele leute um einen, die viel weniger können und doch leben, wenn ihr es mir nur anmerken könntet, wo es mir sitzt, ich weis das nur nicht, dieses alles nur vorläufig+, bald mehr und ausführlich an Daniel.

wenn Andre lachen wollen, geschwind' es zuerst zu thun. -Ich habe Pauline gesagt, daß ich, ehe ich sie
mitnehmen könnte, selbst wohl erst auf einige Zeit nach Hamburg gehen möchte. Das fand sie auch sehr
natürlich. Ich
 denke, lieber Perthes: es sind so viel Menschen um einen, die viel weniger können und doch
leben. Wenn
 ihr es mir nur abmerken könntet zu dem Zweck, wo es mir sitzt, ich weiß das nur nicht so. Dieses
alles nur vorläufig.

schreibt mir doch auch von euren Weihnachten wie es ist, ich habe dich von herzen lieb, all zusammen  grüße in Wandsbeck

dein Otto

sage Daniel er soll nicht böse werden, daß ich ihn nicht auch geschrieben  hörst du

96 | Im Frühjahr hatte Perthes Runge zu einer Ausfahrt nach Halle gebeten, wo Runge unvorbereitet seinen Bruder Daniel warten sah, der sich um Runges Seelenzustand kümmern wollte. (Vergl. Anm. 66.)

97 | Rahmenzeichnung zu Die Freuden des Weins".


Version 2:
Betthausen, Peter (Hg.): Philipp Otto Runge. Briefe und Schriften. München 1982. > "An Friedrich Perthes" *

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Lieber Perthes! Ich bin auf eine andre Weise
jetzt ebenso verblüfft, wie in Halle der Daniel kam, und muß [mich] nur des Morgens immer mal besinnen, ob
es mir nicht geträumt hat; Herr Jesus, es ist doch -ich möchte Wände angehen, aber nun ordentlich.

Lieber, Du hast mich ganz verstanden, und das, was Du von mir hältst, ich kann es ja wohl sagen, halte ich
auch von mir, mehr aber auch wirklich nicht, und es ist auch schon genug. Mir ist für Dich nicht nur bange,
daß z. B. Speckter, wenn ich wieder nach Hamburg komme, mir das nicht so glauben werden, weil ich soviel
jünger bin, daß ich es so gut und wohl besser einsehe, was die Sache ist. Und das gestehe ich Dir aufrichtig,
[daß] diese Streitigkeiten, ich kenne sie ja recht gut, mich bange machen für die vielen -für einen, der
wirklich ausübend die Kunst liebt -zu deutlichen und ertötenden Erklärungen. Ich kann es nicht leugnen, daß
ich mir erst, wenn ich zu Euch käme, ohne Streit ganz gegen Euch aussprechen möchte, ich habe darin
mehr Geduld stillzuschweigen wie Ihr, erst und alles zu hören; denn in meinen Briefen habt Ihr's doch nur
bruchstückweise und nicht den Zusammenhang. -Weiter hab ich auch nicht das geringste dawider, bei Euch
zu leben, und alles andre ist so sehr dafür, daß ich mir gar nichts andres wünsche.

Nun Lieber, zu dem, was über das Brot zu sagen ist. Das hab ich schon an Karoline gesagt, [daß es] nicht
anders und besser als auf dem platten Lande wächst, und von diesem platten Lande fühle ich doch neben
den anmutigen Gegenden auch soviel in mir, daß ich es fest glaube, davon leben zu können, wenn Ihr mir
mit der Landwirtschaft nur ein bißchen an Hand gehen wollt.


Die großen Bilder und Sachen sind das also nicht, worauf sich zu verlassen ist, sondern das, was man so
ohne Umstände aus dem Ärmel schütten kann; denn wer von der Anstrengung leben will, stirbt an der
Erschlaffung. Zuerst will ich nur sagen, was, da ich doch das beste immerfort treiben muß, nicht angeht:
nämlich sich aufs Porträtmalen zu applizieren, das geht gar nicht, dann Unterricht oder gar Kalenderkupfer
und alles, was dahin schlägt, Bilderhandel nur eine gewisse Weise, nicht wie gewöhnlich. Daß ich aber, wie
ich Dir schon geschrieben, durch Zimmerverzierungen viel tun könnte, scheint mir das allersicherste zu sein;
es läßt sich aber nur gar nicht tun, wenn ich dorthin käme und daß ich so sagte. -Ich hab nun auch zu
Weihnacht meine Rahme geschickt (den Weinrahm schickt Ihr mir wohl wieder). Seht mal, ich meine so, das
ist es, was mich in einem Stück so ruhig macht: Es ist doch in dem Wein da -in den Kindern ebenso -ein
Gewisses, was grade Barg, Hartmann etc. so unbegreiflich finden, es ist eine gewisse Harmonie und
Vollkommenheit darin, die eigentlich in mir ist und die zu meiner großen Freude in allem, was ich mache,
auch im Malen, mehr um sich greift. Dieses kann keiner leugnen, daß es ihn anzieht, und das ist es grade,
was ich ohne Umstände bloß dadurch mache, wenn ich recht lustig und ruhig bin. Könnte ich ein ganzes Bild
so durchgängig behandeln, wie ich es in den Augenblicken fühle, mit solcher Bestimmtheit und
Geschwindigkeit, so würde ich sagen, ich wäre ein Maler, -das muß aber kommen. So aber sind tausend
Gestalten und lustige komische Vorhaben und liebliche Bilder in mir, die nur durch Arabeske können
ausgeführt

Ich werde jetzt arbeiten, Tag und Nacht, um sie bloß so aufzusetzen, daß man sie jemand vorlegen kann.
Sieh, solche Kleinigkeiten ziehen am allermeisten an, und ich bin sogar versichert, daß ich mir durch das
Ausschneiden (wenn ich es nur als Spielerei betrachte) viel verdienen könnte. Wenn ich nun mit diesem Plan
da gleich breit auftreten wollte, so würde es so nicht gehen, aber ich meine so: wenn ich einige Jahre nur erst
was anderes treiben könnte, was sicher wäre, und dies den Leuten so vormachte (allenfalls auf meinem oder
in Euren Zimmern), als wenn ich es nicht nötig hätte, da müßte es doch kurios sein, wenn man nicht vielen
Leuten ordentlich so Lust machen könnte, so was auch zu haben; und wenn es erst so sehr Ton wird, dann
ist man geborgen. Ich meine, daß ich schon viele Figuren und Situationen während dieser Zeit gezeichnet
hätte, daraus läßt sich mit Pläsier dann viel Neues machen und zusammenstellen. Wann ich nun die Sachen
so komponierte, könnte ich Hardorff und andren noch einen Dienst damit erweisen, wenn sie sie ausführten,
wenn den Leuten das nur auf eine schickliche Weise unter den Fuß gegeben würde. Mit den Malermeistern
läßt sich das auch schon machen, so etwas läßt sich auf so verschiedene Weise tun. Sieh, so kam ich
neulich bei dem Adjutanten des Kurfürsten, der bat mich, ich sollte ihm doch mal erlauben, meine Blumen,
die ich nur so auf der Reise ausgeschnitten, an den Kurfürsten zu zeigen; er bot sich überdem [an], mit dem
Gärtner zu Pillnitz mich im Sommer bekanntzumachen. So stehe ich auch bei dem Hausmarschall und
Maitre de plaisir Racknitz in Ansehen, und wenn ich der Frau v. Racknitz erst mein Weihnachtsgeschenk
mache, da wird vollends der Henker los sein; mit so etwas muß man nur tun als nichts, denn können's die
Leute nicht begreifen; und so dummes läppisches Zeug, wie das nu ist, so kann einem das in Brothinsicht
am allermeisten helfen.

Ich hab nun auf den Kurfürsten gar nicht entriert und Spaß daraus gemacht, hab auch neulich bei Graff zu
des Kurfürsten Beine stehen müssen; wenn man solche tolle Sachen soweit bringen kann, daß sie vor den
Kurfürsten selbst kommen, und ihm auf der Ausstellung selbst was vor Augen bringt -das ist die wahre Art,
es dahin zu bringen, daß einfen] jedermann für was unmenschlich Gescheutes hält. Ich bleibe doch den
Sommer noch gewiß hier; und das sehe ich ein, daß ich, so ungerne ich es wollte, ehe ich zu Euch gehe, mir
doch noch einen Blahm machen muß, und zwar auf eine reelle Weise. Das ist aber nicht schwer, es kömmt
so sehr darauf an, sich nur nicht lächerlich zu machen und wenn andre lachen wolln, geschwind zuerst
anzufangen.

Daniel hat mir viel Gutes darüber gesagt, und ich werd ihm am Mittwoch schreiben, heut ist keine Zeit mehr.
Ich habe Pauline gesagt, daß, ehe ich sie mitnehmen könnte, ich selbst wohl erst einige Zeit nach Hamburg
gehen möchte, das fand sie auch sehr natürlich. Ich denke, lieber Perthes, es sind so viele Leute um einen,
die viel weniger können und doch leben -wenn Ihr es mir nur anmerken könntet, wo es mir sitzt, ich weiß das
nur nicht. Dieses alles nur vorläufig, bald mehr und ausführlich an Daniel.

Schreibt mir doch auch von Eurem Weihnachten, wie es ist. Ich habe Dich von Herzen lieb, all
zusammen -grüße in Wandsbeck Dein Otto

Sage Daniel, er soll nicht böse werden, daß ich ihm nicht
auch geschrieben, hörst Du -


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An Friedrich Perthes Dresden den 19 Dec 1802

19. Dezember 1802



An Friedrich Perthes

An Perthes



Lieber Perthes!
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Ich bin auf eine andre weise jetzt ebenso verblüfft wie in halle der Daniel kam #96 und muß nur des morgens immer mahl besinnen, ob es mir nicht geträumt hat+, Hr. Jesus es ist doch  ich möchte wände angehen, aber nun ordentlich,

Lieber Perthes! Ich bin auf eine andre Weise
jetzt ebenso verblüfft, wie in Halle der Daniel kam, und muß [mich] nur des Morgens immer mal besinnen, ob
es mir nicht geträumt hat; Herr Jesus, es ist doch -ich möchte Wände angehen, aber nun ordentlich.


Lieber, du hast mich ganz verstanden und das was du von mir hälst, ich kann es ja wol sagen, halte ich auch von mir, mehr aber auch wirklich nicht, und es ist auch schon genug. mir ist für dich nicht nur bange, daß z. B. Specter, wenn ich wieder nach Hamburg komme, mir das nicht so glauben werden, weil ich so viel jünger bin, daß ich es so gut und wol besser einsehe, was die sache ist, und das gestehe ich dir aufrichtig, diese streitigkeiten, ich kenne sie ja recht gut, mich bange machen für die vielen, für einen der wirklich ausübend die Kunst liebt, zu deutlichen und ertödtenden erklärungen, ich kann es nicht leuchnen, daß ich mir erst, wenn ich zu euch käme, ohne Streit ganz gegen euch aus sprechen mögte, ich habe darin mehr gedult still zu schweigen wie ihr, erst und alles zu hören, denn in meinen Briefen habt ihrs doch nur bruchstückweise und nicht den Zusammenhang  weiter hab ich auch nicht das geringste dawieder, bey euch zu leben, und alles andre ist so sehr dafür, daß ich mir gar nichts andres wünsche,

Lieber, Du hast mich ganz verstanden, und das, was Du von mir hältst, ich kann es ja wohl sagen, halte ich
auch von mir, mehr aber auch wirklich nicht, und es ist auch schon genug. Mir ist für Dich nicht nur bange,
daß z. B. Speckter, wenn ich wieder nach Hamburg komme, mir das nicht so glauben werden, weil ich soviel
jünger bin, daß ich es so gut und wohl besser einsehe, was die Sache ist. Und das gestehe ich Dir aufrichtig,
[daß] diese Streitigkeiten
, ich kenne sie ja recht gut, mich bange machen für die vielen -für einen, der
wirklich ausübend die Kunst liebt -zu deutlichen und ertötenden Erklärungen. Ich kann es nicht leugnen, daß
ich mir erst, wenn ich zu Euch käme, ohne Streit ganz gegen Euch aussprechen möchte, ich habe darin
mehr Geduld stillzuschweigen wie Ihr
, erst und alles zu hören; denn in meinen Briefen habt Ihr's doch nur
bruchstückweise und nicht den Zusammenhang. -Weiter hab ich auch nicht das geringste dawider, bei Euch
zu leben, und alles andre ist so sehr dafür, daß ich mir gar nichts andres wünsche.


+Nun lieber, zu dem, was über das brod zu sagen ist, das hab ich schon an Caroline gesagt, nicht anders und besser als auf den platten lande wächst, und von diesen Platten lande fühle ich doch neben den anmuthigen Gegenden auch so viel in mir, das ich es fest glaube, davon leben zu können, wenn ihr mir mit der landwirtschaft nur ein bischen an hand gehen wollt,

Nun Lieber, zu dem, was über das Brot zu sagen ist. Das hab ich schon an Karoline gesagt, [daß es] nicht
anders und besser als auf dem platten Lande wächst, und von diesem platten Lande fühle ich doch neben
den anmutigen
 Gegenden auch soviel in mir, daß ich es fest glaube, davon leben zu können, wenn Ihr mir
mit der Landwirtschaft
 nur ein bißchen an Hand gehen wollt.



die Großen bilder und sachen sind das also nicht worauf sich zu verlassen ist, sondern das, was man so ohne umstände aus den Aermel schütten kann, denn wer von der Anstrengung leben will, stirbt an der Erschlaffung. Zu erst will ich nur sagen was, da ich doch das beste immer forttreiben muß, nicht angeht,  nemlich sich aufs Potraitmahlen zu aplliciren, das geht garnicht, dann Unterricht, oder gar Calender Kupfer, und alles was dahin schlägt, Bilder handel nur eine gewisse weise, nicht wie gewöhnlich.  daß ich aber wie ich dir schon geschrieben durch Zimmerverziehrungen viel thun könnte, scheint mir das aller sicherste zu sein, es läßt sich aber nur gar nicht thun, wenn ich dort hin käme und das ich so sagte, ich hab nun auch zu Weihnacht meine Rähme geschickt, (den Weinrahm #97 schickt ihr mir wol wieder) seht mahl, ich meine so, das ist es, was mich in einem stück so ruhig macht, es ist doch in den Wein da, in den Kindern eben so, ein gewisses, was grade Barg, Hartmann etc. so unbegreiflich finden, es ist eine gewisse harmonie und volkommenheit darin, die eigentlich in mir ist und die zu meiner großen freude in allen, was ich mache, auch im Mahlen, mehr um sich greift. dieses kann keiner leuchnen, daß es ihm anzieht und das ist es grade was ich ohne Umstände, blos dadurch mache. wenn ich recht lustig und ruhig bin  könnte ich ein ganzes bild so durchgängig behandeln wie ich es in den Augenblicken fühle, mit solcher bestimmtheit und geschwindigkeit, so würde ich sagen, ich wäre ein Mahler,  das muß aber kommen,  so aber sind tausend Gestalten und lustige Comische herhaben und liebliche bilder in mir, die nur durch Arabeske können ausgeführt werden. ich werde jetzt arbeiten tag und nacht, um sie blos so aufzusetzen, daß man sie jemand vorlegen kann, sieh solche Kleinigkeiten ziehen am allermeisten an, und ich bin so gar versichert, daß ich mir durch das Ausschneiden, (wenn ich es nur als spielerey betrachte) viel verdinen könnte,  wenn ich nun mit diesen Plan da gleich breit auftreten wollte, so würde es so nicht gehen, aber ich meine so, wenn ich einige Jahre nur erst was anderes treiben könnte, was sicher wäre, und dis den leuten so vormachte, (allenfalls auf meinem oder in euren Zimmern) als wenn ich es nicht nöthig hätte, da müste es doch Curjos sein, wenn man nicht vielen leuten ordentlich so lust machen könnte, so was auch zu haben, und wenn es erst so sehr ton wird, dann ist man geborgen,  ich meine, daß ich schon viele figuren und situationen während dieser Zeit gezeichnet hätte, daraus läßt sich mit plaisir dan(n) viel neues machen u. zusammenstellen. wann ich nun die sachen so Componirte, könnte ich Hardorff und andren noch einen Dienst damit erweisen, wenn sie sie ausführten, wenn den leuten das nur auf eine schickliche Weise unter den fuß gegeben würde, mit den Mahlermeistern läßt sich das auch schon machen  so etwas läßt sich auf so verschiedene Weise thun+; sieh, so kam ich neulich bey den Adjutanten des Curfürsten, der bat mich ich sollte ihm doch mahl erlauben, meine Blumen, die ich nur so auf der Reise ausgeschnitten an den Curfürsten zu zeigen, er bot sich überdem mit den Gärtner zu Pilniz mich im Sommer [mich] bekant zu machen, so stehe ich auch bey den hausmarschall und Maitr(e) de Plaisir Rachniz in Ansehen, und wen(n) ich der frau von R.(achniz) erst mein Weihnachtsgeschenk mache, da wird follends der henker los seyn, +mit so etwas muß man nur thun als nichts, den(n) könnens die leute nicht begreifen, und so dummes läppisches Zeuch wie das nu ist, so kann einen das in brod hinsicht am allermeisten helfen+, ich hab nun auf den Curfürsten gar nicht Entrirt und spas daraus gemacht, hab auch neulich bey Graff zu des Curfürsten beine stehen müssen, wenn man solche tolle sachen so weit bringen kann, daß sie vor den Curfürsten selbst kommen und ihm auf der Ausstellung selbst was vor augen bringt. das ist die wahre Art es dahin zu bringen, daß ein jeder man für was unmenschlich gescheutes hält. +ich bleibe doch den Sommer noch gewiß hier, und das sehe ich ein, daß ich so ungerne ich es wollte ehe ich zu Euch gehe, mir doch noch einen Blahm machen muß und zwar auf eine reelle weise, das ist aber nicht schwer, es kömmt so sehr darauf an, sich nur nicht lächerlich zu machen, und wenn andre lachen wolln, geschwind zuerst anzufangen

Die großen Bilder und Sachen sind das also nicht, worauf sich zu verlassen ist, sondern das, was man so
ohne Umst
ände aus dem Ärmel schütten kann; denn wer von der Anstrengung leben will, stirbt an der
Erschlaffung. Zuerst
 will ich nur sagen, was, da ich doch das beste immerfort treiben muß, nicht angeht:
nämlich
 sich aufs Porträtmalen zu applizieren, das geht gar nicht, dann Unterricht oder gar Kalenderkupfer
und alles,
 was dahin schlägt, Bilderhandel nur eine gewisse Weise, nicht wie gewöhnlich. Daß ich aber, wie
ich Dir schon geschrieben, durch Zimmerverzierungen viel tun
 könnte, scheint mir das allersicherste zu sein;
es läßt sich aber nur gar nicht tun, wenn ich dorthin käme und daß ich so sagte. -Ich hab nun auch zu
Weihnacht meine Rahme geschickt
 (den Weinrahm schickt Ihr mir wohl wieder). Seht mal, ich meine so, das
ist es, was mich in einem Stück so ruhig macht: Es ist doch in dem Wein da -in den Kindern ebenso -ein
Gewisses
, was grade Barg, Hartmann etc. so unbegreiflich finden, es ist eine gewisse Harmonie und
Vollkommenheit
 darin, die eigentlich in mir ist und die zu meiner großen Freude in allem, was ich mache,
auch im Malen
, mehr um sich greift. Dieses kann keiner leugnen, daß es ihn anzieht, und das ist es grade,
was ich ohne Umstände bloß dadurch mache, wenn ich recht lustig und ruhig bin. Könnte ich ein ganzes Bild
so durchgängig behandeln, wie ich es in den Augenblicken fühle, mit solcher Bestimmtheit und
Geschwindigkeit
, so würde ich sagen, ich wäre ein Maler, -das muß aber kommen. So aber sind tausend
Gestalten und lustige komische Vorhaben und liebliche Bilder in mir, die nur durch Arabeske können
ausgeführt

Ich
 werde jetzt arbeiten, Tag und Nacht, um sie bloß so aufzusetzen, daß man sie jemand vorlegen kann.
Sieh,
 solche Kleinigkeiten ziehen am allermeisten an, und ich bin sogar versichert, daß ich mir durch das
Ausschneiden
 (wenn ich es nur als Spielerei betrachte) viel verdienen könnte. Wenn ich nun mit diesem Plan
da gleich breit auftreten wollte, so würde es so nicht gehen, aber ich meine so: wenn ich einige Jahre nur erst
was anderes treiben könnte, was sicher wäre, und dies den Leuten so vormachte (allenfalls auf meinem oder
in Euren Zimmern),
 als wenn ich es nicht nötig hätte, da müßte es doch kurios sein, wenn man nicht vielen
Leuten
 ordentlich so Lust machen könnte, so was auch zu haben; und wenn es erst so sehr Ton wird, dann
ist man geborgen. Ich meine, daß ich schon viele Figuren und Situationen während dieser Zeit gezeichnet
hätte, daraus läßt sich mit Pläsier dann viel Neues machen und zusammenstellen. Wann ich nun die Sachen
so komponierte
, könnte ich Hardorff und andren noch einen Dienst damit erweisen, wenn sie sie ausführten,
wenn den Leuten
 das nur auf eine schickliche Weise unter den Fuß gegeben würde. Mit den Malermeistern
läßt sich das auch schon machen, so etwas läßt sich auf so verschiedene Weise tun. Sieh, so kam ich
neulich bei dem
 Adjutanten des Kurfürsten, der bat mich, ich sollte ihm doch mal erlauben, meine Blumen,
die ich nur so auf der Reise ausgeschnitten, an den Kurfürsten zu zeigen; er bot sich überdem [an], mit dem
Gärtner zu Pillnitz mich im Sommer bekanntzumachen. So stehe ich auch bei dem Hausmarschall und
Maitre de plaisir Racknitz
 in Ansehen, und wenn ich der Frau v. Racknitz erst mein Weihnachtsgeschenk
mache, da wird vollends der Henker los sein; mit so etwas muß man nur tun als nichts, denn können's die
Leute nicht begreifen;
 und so dummes läppisches Zeug, wie das nu ist, so kann einem das in Brothinsicht
am allermeisten helfen.

Ich
 hab nun auf den Kurfürsten gar nicht entriert und Spaß daraus gemacht, hab auch neulich bei Graff zu
des Kurfürsten Beine
 stehen müssen; wenn man solche tolle Sachen soweit bringen kann, daß sie vor den
Kurf
ürsten selbst kommen, und ihm auf der Ausstellung selbst was vor Augen bringt -das ist die wahre Art,
es dahin zu bringen, daß einfen] jedermann für was unmenschlich Gescheutes hält. Ich bleibe doch den
Sommer noch gewiß hier; und das sehe ich ein, daß ich, so ungerne ich es wollte, ehe ich zu Euch gehe, mir
doch noch einen Blahm machen muß, und zwar auf eine reelle Weise. Das ist aber nicht schwer, es kömmt
so sehr darauf an, sich nur nicht lächerlich zu machen und wenn andre lachen wolln, geschwind zuerst

anzufangen.

Daniel hat mir viel gutes darüber gesagt, und ich werd ihn am Mittwoch schreiben, heut ist keine Zeit mehr, ich habe Pauline gesagt, daß ehe ich sie mitnehmen könnte, ich selbst wol erst einige Zeit nach Hamburg gehen mögte, das fand sie auch sehr natürlich, ich denke, lieber Perthes, es sind so viele leute um einen, die viel weniger können und doch leben, wenn ihr es mir nur anmerken könntet, wo es mir sitzt, ich weis das nur nicht, dieses alles nur vorläufig+, bald mehr und ausführlich an Daniel.

Daniel hat mir viel Gutes darüber gesagt, und ich werd ihm am Mittwoch schreiben, heut ist keine Zeit mehr.
Ich
 habe Pauline gesagt, daß, ehe ich sie mitnehmen könnte, ich selbst wohl erst einige Zeit nach Hamburg
gehen möchte
, das fand sie auch sehr natürlich. Ich denke, lieber Perthes, es sind so viele Leute um einen,
die viel weniger können und doch leben -wenn Ihr es mir nur anmerken könntet, wo es mir sitzt, ich weiß das
nur nicht. Dieses
 alles nur vorläufig, bald mehr und ausführlich an Daniel. 

schreibt mir doch auch von euren Weihnachten wie es ist, ich habe dich von herzen lieb, all zusammen  grüße in Wandsbeck


Schreibt mir doch auch von Eurem Weihnachten, wie es ist. Ich habe Dich von Herzen lieb, all
zusammen -grüße in Wandsbeck Dein Otto



dein Otto

sage Daniel er soll nicht böse werden, daß ich ihn nicht auch geschrieben  hörst du 

Sage Daniel, er soll nicht böse werden, daß ich ihm nicht 


96 | Im Frühjahr hatte Perthes Runge zu einer Ausfahrt nach Halle gebeten, wo Runge unvorbereitet seinen Bruder Daniel warten sah, der sich um Runges Seelenzustand kümmern wollte. (Vergl. Anm. 66.)

97 | Rahmenzeichnung zu Die Freuden des Weins".

auch geschrieben, hörst Du -


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