2,186 # 19. Dezember 1802 An Perthes Lieber Perthes, ich bin auf andre Weise jetzt eben so verblüfft, wie da in Halle der Daniel kam, und muß mich Morgens immer erst einmal besinnen, ob es mir nicht etwa nur geträumt hat. ---Nun, Lieber, zu dem, was über das Brod zu sagen ist, das, wie ich schon an Karoline geschrieben, nicht anders und besser wächst, als auf dem platten Lande, und von diesem fühle ich doch neben den anmuthigen Gegenden auch soviel in mir, daß ich fest glaube, davon leben zu können, wenn ihr mit der Landwirthschaft nur ein wenig an Hand gehen wollt. Die großen Bilder und Sachen sind es also nicht -darüber wären wir einig -worauf sich zu verlassen ist, sondern das, was man so ohne viele Umstände aus dem Aermel schüttenn kann; denn wer von der Anstrengung leben will, stirbt an der Erschlaffung. Zuerst will ich nun bemerken, was, da ich doch das Beste immerfort treiben muß, nicht angeht, nämlich mich (des Erwerbs halber) auf's Portaitmahlen zu appliciren, das geht gar nicht; so wenig als Unterricht, oder gar Kalenderkupfer und alles, was dahinein schlägt; Bilderhandel nur auf eine gewisse Weise, nicht für gewöhnlich; -daß ich aber, wie ich dir schon geschrieben, durch Zimmerverzierungen viel leisten könnte und dies scheint mir das allersicherste zu seyn. Es ließe sich aber nur gar nicht thun, wenn ich dorthin käme und das nur so sagte. Ich habe euch jetzt zu Weihnachten meine Arabeskenrahmen geschickt, und seht einmal, ich meyne, das ist es, was mich in einem Stücke so ruhig macht: Es ist doch in dem Weinstück und da in den Kindern so ein Gewisses von mir, was grade diese und jene so unbegreiflich finden, eine gewisse Harmonie und Vollendung, die im Grunde in mir ist und die zu meiner großen Freude in allem, was ich mache, auch im Mahlen, mehr um sich greift; dieses kann Keiner läugnen, daß es ihn anzieht, und es ist grad das, was ich so ohne viel Umstände bloß dadurch und dann mache, daß und wann ich recht fröhlich und ruhig bin. Könnte ich ein ganzes Tableau so durchgängig behandeln, wie ich es in den Augenblicken fühle, mit solcher Bestimmtheit und Geschwindigkeit, so würde ich sagen, ich wäre ein Mahler; -das muß aber kommen. -So aber sind schon tausend Gestalten und heitre komische Handhaben und liebliche Bilder in mir, die nur durch Arabeske können ausgeführt werden; ich werde jetzt arbeiten, Tag und Nacht, um sie bloß so aufzusetzen, daß man sie jemand vorlegen könne; sieh', solche Kleinigkeiten ziehen am allermeisten an; wenn ich aber mit diesem Plan da breit auftreten wollte, das würde so nicht gehen, aber ich meyne so: Wenn ich nur anfangs einige Jahre etwas andres treiben könnte, das sicher wäre, und dies inzwischen so vor die Leute brächte, allenfalls auf meinen eignen, oder in euern Zimmern, als wenn ich es nicht nöthig habe, da müßte es doch seltsam seyn, wenn man nicht Vielen ordentlich Lust machen könnte, so etwas auch zu haben, und wenn es dann erst Ton wird, ist man geborgen. Ich meyne so, daß ich schon viele Figuren und Situationen während der paar Jahre gezeichnet hätte; darauf läßt sich mit Vergnügen dann viel neues machen und zusammenstellen, und wenn ich nun die Sachen so componirte, könnte ich andern braven Künstlern noch einen Dienst damit leisten, wenn sie sie auszuführen bekämen, wenn es ihnen nur auf schickliche Weise untern Fuß gegeben würde; auch mit den Mahler-Amtsmeistern läßt sich dergleichen schon machen. So etwas läßt sich auf höchst verschiedene Art in's Werk richten. -Mit so etwas muß man nur thun, als wäre es nichts, dann können es die Liebhaber nicht begreifen, und solche Allotrien das nun auch zu seyn scheinen, so kann einem das in Hinsicht auf Brod grade am meisten helfen. - Ich bleibe doch nächsten Sommer noch gewiß hier, und soviel sehe ich ein, daß ich, so ungern ich es wollte, ehe ich zu euch gehe, mir doch noch einen gewissen Ruf hier machen muß, und zwar auf eine reelle Weise. Das ist aber nicht schwer; es kommt so sehr darauf an, sich nur nicht lächerlich zu machen, und wenn Andre lachen wollen, geschwind' es zuerst zu thun. -Ich habe Pauline gesagt, daß ich, ehe ich sie mitnehmen könnte, selbst wohl erst auf einige Zeit nach Hamburg gehen möchte. Das fand sie auch sehr natürlich. Ich denke, lieber Perthes: es sind so viel Menschen um einen, die viel weniger können und doch leben. Wenn ihr es mir nur abmerken könntet zu dem Zweck, wo es mir sitzt, ich weiß das nur nicht so. Dieses alles nur vorläufig.