Dresd 2,129 # 12. Mai 1802 An Perthes nach Leipzig -- Willkommen so nahe! Ich danke dir von Herzen für die drey Tage, die du mir schenken willst; ich werde sie ganz benutzen und zur rechten Zeit dort seyn, aber auch nicht zu früh. Ich habe lange nicht an Daniel geschrieben; das macht: ich habe gar viel zu machen, und das macht wieder, daß ich viel mache, und dieses wieder, daß ich viel Lust bekomme, was zu machen, und so kommt mir die Zeit, daß ich zu dir kommen soll, immer noch zu früh auf den Hals, und ich werde das, was ich euch wenigstens in Skizzen bringen wollte, meistentheils dir bloß sagen[gesp] müssen. -Nun etwas Gutes und Frohes bringe ich doch. Das allerneueste, was ich zu sagen habe, ist, daß Jacob mir gestern aus Pleeth schreibt, daß er sich selbigen Tages so eben versprochen habe. --Er wird wohl bald Hochzeit machen, wenn Daniel kommt. Es ist mir curios', als wenn ich nicht dabey seyn soll. Sage mir, was thue ich? reise ich zu Hause, oder nicht, wenn Daniel hinkommt ? Gut wäre es gewiß, es drückt mich doch verzweifelt auf der Seele, und so lustig ich auch bisweilen bin, ist es gewöhnlich doch nur halbe Raserey, unter welcher ich meine Angst und Bangigkeit und Ungeduld versteckeDie drey Tage werden uns geschwinde hingehen - Ich habe heute gemahlt von 7 bis 7 Uhr in einer Folge, nun hab' ich noch die Pinsel zu waschen, das hat auch der T. erfunden. Ich kann dir nicht sagen, lieber Perthes, wie ich mich freue, daß ich so hübsche Fortschritte im Oelmahlen mache, und daß die Theorien, die ich mir gesammelt habe, sich practisch so gut bewähren. Ich gehe sehr systematisch zu Werke, und behalte dabei mehr Courage und Lust und Reinlichkeit und Kraft, als Andre, die nur so hineinbruddeln. Nimm mir's nicht übel, daß ich so stolz spreche, ich hab' mir´s heut auch sauer werden lassen und es ist mir noch dazu erstaunlich geglückt, da haut man wohl mal über die Schnur. -Gute Nacht, ich bin müde; uni dir aber doch noch eine kleine Ergötzlichkeit zu machen, lege ich ein Gedicht * bey, das in einer Reisebeschreibung in Knittelversen vorkommt, von einer riußtour, die ich mit einigen Freunden kürzlich nach Tharand gemacht.