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Philipp Otto Runge

An Daniel


Hambg 2,118 # im 02.Mon 1802

An Daniel


--- jedoch ich weiß, was ich bin, und mich macht das
nicht irre. Wenn sie sehen, daß ich imrner derselbe bleibe, daß ich mich nie verstellt habe, so ist es hernach
für mich desto besser, daß sie ihre jetzige Meynung über inidi ändern inüssen. Ich kann aber, so wie es ist,
nichts mit Pauline beginnen, und muß an mich halten; ich hoffe indeß, daß sich das bald geben muß, da
diese Schwierigkeit zu bekämpfen doch am Ende bloß an mir und meinem Betragen liegt. --Jacob schreibt
mir, daß er und Maria und Carl mir abriethen, es an Vater zu schreiben, weil er ohnehin Sorge genug hätte;
auch sey Mutter meinetwegen so besorgt, da die Genie's gewöhnlich auf Abwege geriethen. Hierum quält
sich Mutter immer und das thut mir in der Seele weh. Ich denke an niemand so gern und mit so inniger
Rührung als an Mutter, denn sie allein hat mich wieder in's Leben zurückgerufen und durch sie allein ist der
lebendige Glaube an Gott in meine Seele gekommen, und bey jeder Freude und jedem Leide die mir
begegnen, denke ich an meine Mutter, daß sie es ist, die mir zweymal das Leben gab. ihr könnt das nicht so
wissen, was Mutter mir ist, das wissen ich und sie allein, und daß sie sich nun um mich betrübt, das löset mir
das Innerste in Thränen auf, -ich ertrage das nicht, ich schreibe an sie und beruhige sie. Sey du ruhig,
liebster Daniel, ich werde dir bald zeigen, daß diese Liebe und diese Tage hier mich nicht um einen Tag in
der Kunst und im Leben zurücksetzen. Ich hoffe dir bald zu zeigen; werdet nur nicht ungeduldig und liebt
mich, wie ich euch liebe. Dein Otto.


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