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Philipp Otto Runge

An Daniel


Dresd 2,097 # 13. November 1801

An Daniel


-- ich freue mich auf morgen, denn sieh' einmal,
der Veith führt mich so Sonntags in die Harmonie in's Concert, wo auch gewisse Leute sind -. Ich bin auch
mitunter sehr tratirig, ich sehe keinen Ausgang, die Zeit schleicht mir hin, daß ich sie nicht sehe --. Ich
werde unverzüglich ein ander Zimmer beziehen, das ich gemiethet; ich mußte das, denn dit wirst einsehen,
daß, wenn sie sich nach mir hier erkundigen sollten und es hieße: ja es ist ein junger Mensch, man weiß
eben nichts von ihm zu sagen, er wohnt da oben im Dach fünf Treppen hoch -das quadrirte nicht. Eiffe
bleibt hier und auch in sofern ist es besser; gutes Licht habe ich hier überdies nicht. --Den 14. Nov. Heute
ist erschienen der wichtige Tag, an dem ich euch, ihr Stiefel -nicht brauchen kann, denn ich muß ja Schuhe
anziehen, mich propre machen u.s.w. Mir ist nun die Musik noch ganz etwas anderes; was mich sonst nur hin
und her bewegte und sich selbst, so wie Wolken hin und her sich bewegen lassen, diese Wolken gestalten
sich jetzt, und die lebendigsten Bilder schweben vor meiner Seele. Es kommt mir manchmal ein, daß ich
nichts als Liebesgeschichten usw mahlen würde, aber das Schicksal kann mich ja nur ein bisclien unglücklich
machen, so wird sich das auch schon geben.


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