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Philipp Otto Runge

An Daniel


Dresd 2,086 # 27. September 1801

An Daniel


--- Waagen wird euch zwey Zeichnungen von
meinem Achilleskampf bringen; die eine auf blau Papier ist nur eine vorübergehende Idee, nach der andern
habe ich sie aber durcbgezeichnet, doch sind noch verschiedene Aenderungen vorgefallen; ich warte nüt
Sehnsucht auf die Zurückkunft meiner abgesandten. Da es schon einen sonderbaren Eindruck auf uns
macht, einen Brief, den wir in warmen Augenblicken geschrieben, lange hernach einmal wieder zu lesen, wie
wird es mir mit der Zeichnung nicht gehen, die ich, als sie fertig war, gleich wegschicken mußte! Gestern
Abend habe ich deinen lieben Brief vom 19. und 22. erhalten; ich hatte eben die Rafael'schen Tapeten
gesehen. Erst heute erwartete ich ihn -ich kann dir noch nicht darauf antworten, ich warte deinen nächsten
ab, -ich werde meinen Entschluß nehmen, er ist schon genommen, längst schon: Du und ihr und die Kunst,
seyd enger verbunden bey mir, als du es denkst, und dein Brief hat mich einiger mit mir gemacht als je -, ich
danke dir unaussprechlich. -Du hast Recht: etwas Rechtes muß ich werden, ohne nebenher etwas nicht
Rechtes seyn zu müssen, wie es oft den Besten geht. Lieber, glaube mir, es sind viele jetzt unter den jungen
Künstlern, die das Bessere suchen, die es finden würden, müßten sie durch den Schein sich nicht beym
Leben erhalten. -Ich werde schweigen; ich könnte schon jetzt manches sagen, aber die That muß dein
Gesagten das Gewicht geben und ich will zu seiner Zeit auch den Mund aufthun. -Mit Bitterkeit und mit der
Satyre ist nichts auszurichten, aber die Charlatane in der Kunst machen Partey und ich werde die meinige
auch suchen. -Künftige Post erhältst du von mir. Ich drücke dich an mein Herz, du Lieber Dein O t to.


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