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Philipp Otto Runge

An Johann Michael Speckter in Hamburg


Kopenhg 2,063 # 13. Januar 1801

An Johann Michael Speckter in Hamburg


Ich habe die Preisertheilung in Weimar und
Beschreibung der eingegangenen Stücke mit ausnehmendem Vergnügen gelesen. Was mir aber die meiste
Freude machte, war, daß meine Gedanken, die ich über die Aufgaben hatte, vorzüglich über den Tod des
Rhesus, ziemlich mit denen der besten Concurrenten übereingestimmt haben, und ich denke wohl, künftigen
Sommer mit um den Preis zu laufen, denn es ist doch keine geringe Freude, wenn man vernehmen kann,
daß das, worauf unsre Wahl gefallen ist und wie wir es durch Erfahrung in uns zu berichtigen gesucht haben,
auch würklich etwas richtiges ist. Da man für sich allein doch nur immer schwanken muß, so bekommt man
dadurch, däucht mir, schon einen festen Fuß auf die Erde. Ich glaube auch, daß der Theil der Theorie, auf
den es hier ankommt, wohl am vorzüglichsten der ist, in dem ich hier vorgeschritten bin, und davon hat doch
unsre Privat -Akademie mit das Verdienst. Die beiden neuen Aufgaben sind mir -beym ersten Anblick
sonderbar vorgekommen; das erste, weil es so oft dargestellt ist, und das zweyte schien mir, mit Verlaub zu
sagen, gar lächerlich. Das kam aber nur, weil ich die Flaxman's in Gedanken hatte. Auf die Art geht es
allenfalls in einem Basrelief, aber doch wohl nicht in einem Gemählde ? Ich will versuchen, dir hievon sobald
wie möglich eine leichte Skizze zu geben. Das einzige, was mich furchtsam macht, zur Concurrenz etwas
einzuschicken, ist die Zeichnung, denn darin bin ich noch sehr zurück. Dresden macht mir aber darin große
Hoffnung, erstlich die vielen vortrefflichen Sachen, die dort sind, und dann was Goethe in dem jüngsten Heft
der Propyläen sagt: "Künstler, die uns ihren Geburtsort und ihr Alter anzeigen, auch von ihrem Leben und
Studien einige Nachricht geben wollen, werden uns besonders verbinden," Ich meyne, so könnte er es ja
nicht übel nehmen, wenn man sich zuweilen bey ihm Raths erholen wollte. -

Ich war im ganzen December nicht nach der Mahlerstube gewesen, weil die Tage so kurz; so inquirirte mich
denn Juel neulich auf der Akademie, was ich mache? ich solle es ihm doch einmal zeigen. Ich brachte ihm
den andern Tag meine Skizzen, womit er sehr zufrieden war, sagte aber, ich sollte sie lieber in Oel machen,
weil ich mich dadurch zugleich an die Farben gewöhnte; da habe ich denn erst angefangen, eine nach ihm zu
copiren, und will dann frisch dabey. -Er hat Eiffe nun auch die Erlaubniß gegeben, bey ihm zu mahlen, so
sind wir drey denn da; er ist überhaupt viel freundlicher geworden, obgleich er noch immer nichts oder wenig
sagt. --


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