Michael Lingner

triptychon

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Michael Lingner

IDEE

Kurz zusammengefaßt bildet folgendes den Ideenhintergrund für meine in Halle 36 geplante Arbeit:

1. Das Problem der Mitte:

Die allgemeinste Definition des Triptychons ist »mittenbetonte Dreiteiligkeit«. Die Mitte wurde in den alten Triptychen immer gebildet durch Gott oder seine Repräsentanten. Für die Romantiker wird Gott undarstellbar (C. D. Friedrich), die Mitte wird als Leere betont . Wer, wo, was ist heute die Mitte?

2. Das Problem der Beweglichkeit:

Einerseits ist das Triptychon durch die Symmetrie eine monumentale Bildform, andererseits hat es »Flügel«. Dadurch kann das Bildfeld verändert werden, sowohl durch Bewegung dieser Flügel als auch durch Bewegung des Betrachters, insofern ist die Dreiteiligkeit nicht jederzeit gegeben. Es können nur zwei oder auch nur ein Flügel sichtbar sein - das Unsichtbare wird gewußt bzw. vorgestellt.

3. Die Universalität der 3er-Struktur:

Der Entwicklungsprozeß der Geschichte und das Denken vollziehen sich im 3er- Schritt, nämlich dialektisch. Die überall sichtbaren Dreiteiligkeiten sind nicht »natürlich« vorhanden, sondern sind deshalb vorhanden, weil dreistufig gedacht wird. 3er- Strukturen werden deshalb nicht in der sinnlichen Anschauung, sondern in der Vorstellung erfahrbar, die »3« als Symbol der Geistigkeit.

Die geplante Arbeit soll also der Versuch sein, Dreiteiligkeit als universale, mittenbetonte Struktur vorstellungsmäßig unter Einbeziehung der Bewegung des Betrachters erfahrbar zu machen.

Wenn als Material dazu nicht Farbe, Pinsel, Leinwand oder... dienen sollen, sondern die Räume bzw Raumteile der Halle 36, dann heißt das für mich konkret: NICHT TRIPTYCHEN IN ODER FÜR DiE HALLE 36 MACHEN, SONDERN DIE HALLE 36 ALS TRIPTYCHON VORSTELLBAR ZU MACHEN.

KONZEPT

Es werden in den Räumen bereits vorhandene oder aufzudeckende 3er- Strukturen bezeichnet.

Diese 3er-Strukturen können beliebig gewählt oder vom Vorhandenen determiniert sein.

Die Bezeichnung der 3er-Strukturen erfolgt durch Zahlen (1-3) oder auch andere einfache Symbole.

Die Zahlen oder Symbole bestehen aus Spiegeln.

Die Spiegel können so angebracht werden, daß der Betrachter auch sich selber sieht, oder beliebige sich spiegelnde Raumteile oder genau die Raumteile, die den einen bezeichneten Punkt zum Triptychon komplettieren.

Die Zusammengehörigkeit dreier bezeichneter Stellen zu einem Triptychon kann offensichtlich sein oder muß gesucht werden.

Es können in einem Raum mehrere eindeutig unterscheidbare Triptychen sein oder auch nur eines.

Jeder Besucher trägt offen sichtbar an der Kleidung eine kleine Zahl (die 1,2 oder 3), die auch aus Spiegelmaterial ist. So bilden die Besucher Triptychen. Vor allem aber bildet der Besucher durch seine jeweilige Zahl den Mittelpunkt des jeweiligen Triptychons, das er anschaut bzw vorstellt.

Es ist möglicherweise sinnvoll, der Arbeit zur Erklärung eine Legende beizufügen.


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