Petra Nietzky

Die Audioführung zum Skulpturenprojekt sculpture(at)CityNord

In der Zeit vom 14. Mai bis 24. September 2006 war die City Nord Hamburg Schauplatz eines bemerkenswerten Skulpturenprojektes. Der Kurator Rik Reinking hat mehr als 30 künstlerische Positionen zusammen geführt, die sich alle mit der City Nord Hamburg auseinandersetzten. Die national und international arbeitenden Künstler entwickelten Arbeiten ganz unterschiedlicher Art: Objekte aus dem Bereich der Bildhauerei, Installationen und Performance, aber auch Schrifttafeln oder Real-Life-Projekte wurden ausgewählt. Gemeinsam war diesen Arbeiten, dass Ihnen ein erweiterter Skulpturenbegriff zu Grunde lag und sie den Betrachter aufforderten, in einem Dialog zu treten, sie auszuprobieren und darüber vielleicht auch etwas über sich selbst zu erfahren. In diesem lebendigen Austausch sollten die künstlerischen Arbeiten helfen, den Ort wahrzunehmen, neue Perspektiven zu formen und Akzente in eine andere Richtung zu lenken.

Die City Nord Hamburg

Die City Nord ist eine Bürostadt im Norden Hamburgs, die Ende der 50er Jahre zur Entlastung der Hamburger Innenstadt entstand. Etliche Großkonzerne wie Tschibo, Vattenfall und Hamburg Mannheimer verlagerten ihre Hauptverwaltung auf einer Fläche von rund 120 ha in solitäre Bürobauten. Noch heute sind ca. 300 Unternehmen mit insgesamt mehr als 30.000 Beschäftigten in der City Nord ansässig. Doch das hochgelobte revolutionäre städtebauliche Konzept jener Zeit, das als eine „Bürostadt im Grünen“ geplant war, zeigt sich heute als eine monopolisierte Bürowelt. Die im Jahr 2000 gegründete Grundeigentümer-Interessengemeinschaft City Nord GmbH (GIG) stellt sich dieser Verantwortung und ist um eine offene Diskussion bemüht. Mit einem Kinderbetreuungsangebot direkt am Arbeitplatz, Modernisierungsmaßnahmen und Kulturprojekten soll der Wirtschaftstandort vitalisiert und sein Image aufgewertet werden. Neben den bereits existierenden Führungen und Veranstaltungen wurde in diesem Sommer ein Skulpturenprojekt realisiert, das die künstlerische Auseinandersetzung mit den örtlichen Begebenheiten sucht. Die Grundeigentümer-Interessengemeinschaft City Nord GmbH und die Galerie Peter Borchardt, verantwortlich für die praktische Umsetzung des Projektes, beauftragten den jungen Kurator und Sammler Rik Reinking mit dem künstlerischen Konzept und der Auswahl der geeigneten Künstler für dieses Vorhaben.

Das Vermittlungsangebot zum Projekt

Begleitet wurde das Projekt von einem vielschichtigen Vermittlungsangebot. So gab es neben den ständigen Ansprechpartnern vor Ort auch regelmäßige Führungen, Filmabende, Künstlergespräche, eine Zeitung in mehreren Auflagen und eine Audioführung. Bevor das Konzept der Audioführung näher ausgeführt wird, jedoch zuvor ein kurzer Exkurs zum theoretischen Verständnis von Kunstvermittlung, das die Grundlage für die Audioführung bildete:

Theoretische Betrachtung

Da das Kunstwerk nicht autonom und rein subjektiv zu betrachten ist, sondern immer Bezüge zu historischen und gesellschaftlichen Traditionen und Konventionen aufweist, erfordert auch die Rezeption von Kunst bestimmte Kenntnisse über diese Kategorien. Kunstvermittlung zielt somit meiner Ansicht nach darauf ab, dem Rezipienten einen Bezugsrahmen anzubieten und ihm Zugang zu Ebenen zu verschaffen, die ohne dieses Wissen verschlossen blieben. Sie kann als eine unterstützende Maßnahme verstanden werden, die den Dialog zwischen Kunstwerk und Rezipienten fördert. Es ist jedoch Abstand davon zu nehmen, Vermittlung in Sinne einer direkten Übertragung von Inhalten zu verstehen, bei der Inhalte von einem Subjekt auf ein anderes überführt werden. Ein derartiges Verständnis von Vermittlung hätte die vollständige Übereinstimmung zum Ziel. Doch Vermittlung als eine besondere Form der Kommunikation basiert, in Anlehnung an einen konstruktivistischen Ansatz, auf der Unmöglichkeit der totalen Verständigung.

Die konstruktivistische Theorie macht deutlich, dass Wahrnehmung und Wissen keine passiven Abbilder der Realität sind, sondern aktive und schöpferische Prozesse, die zum Auf- und Ausbau kognitiver Erkenntnisstrukturen führen. Diese Strukturen sind nicht festgeschrieben, sondern werden in einem Prozess mit den wahrgenommenen Objekten aus der Umwelt und bereits vorhandenen Wissensstrukturen immer neu generiert. Das menschliche Bewusstsein, in dem kognitive Vorgänge ablaufen, ist durch seine eigenen Strukturen determiniert.

Betrachtet man Kunstvermittlung aus diesem theoretischen Verständnis heraus, so wird deutlich, dass Vermittlung Inhalte nicht 1:1 übertragen kann. Sie kann aber Reize ausüben und Impulse geben. Diese wiederum führen zu neuen Bewusstseinszuständen, die jedoch nicht vorher bestimmbar sind. Die Vorstellung einer inhaltlichen Übereinstimmung wird zugunsten eines fortwährenden Prozesses aufgegeben, der permanent neue Zustände hervorruft und immer nur eine Annäherung bleibt. In dieser Hinsicht ist Kunstvermittlung ein Prozess, der nicht transportiert, sondern inspiriert. Das Angebot an den Rezipienten sollte daher so gestaltet sein, dass die aktive Auseinandersetzung des Besuchers mit den Kunstwerken gefördert, Assoziationsfelder eröffnet und eine Weiterführung der eigenen Gedanken ermöglicht werden. Auf diese Weise wird die individuelle Positionierung des Rezipienten, die das Ziel von Kunstvermittlung ist, gegenüber dem Kunstwerk unterstützt.

Das Konzept der Audioführung zu sculpture@CityNord

Doch was bedeutet dieses Verständnis von Kunstvermittlung nun für die Vermittlung von Kunst im Öffentlichen Raum und konkret für das mediale Vermittlungsangebot des Projektes sculpture@CityNord?

Die Diskussionen um Kunst im Öffentlichen Raum, ihre gesellschaftliche Funktion ebenso wie auch die Debatten um den Begriff der „Öffentlichkeit“ gehen weit zurück und sie sollen nicht Bestandteil dieses Beitrages sein. Ich möchte mich vielmehr konkret auf das hier realisierte Projekt sculpture@CityNord beziehen und exemplarisch mögliche Vermittlungswege im Kontext von medialer Vermittlung aufzeigen.

Entsprechend des Konzeptes von sculpture@CityNord, das einen flexiblen Umgang mit den besonderen Bedingungen vor Ort gewählt hat und unterschiedliche künstlerische Positionen vereinte, verknüpfte auch die Audioführung vielfältige Vermittlungsansätze. Ausgehend von der jeweiligen künstlerischen Arbeit wurden Fragen aufgeworfen, die sich thematisch sowohl mit dem städtebaulichen Konzept, als auch dem Themengebiet Kunst im Öffentlichen Raum näherten. Dabei ist hervorzuheben, dass jede Skulptur eine individuelle Annäherung erfordert und die Auseinandersetzung demzufolge unterschiedlichen Schwerpunkten folgte.

Bei den ausgewählten Arbeiten des Projektes sculpture@CityNord handelte es sich um Werke der zeitgenössischen Kunst, die trotz ihrer unterschiedlichen Thematik und Ausrichtung alle Bezug zur City Nord und der städtebaulichen Situation aufwiesen. Aufgrund dieser Ortsbezogenheit der künstlerischen Arbeiten, die sich sowohl auf die sozialen, aber auch auf die architektonischen und funktionalen Bedingungen des Ortes bezogen, gab die Audioführung zunächst eine kurze Einführung zum städtebaulichen Konzept der City Nord und verwies dabei auch auf die Probleme, die dieser Standtort heute zeigt. Somit wurde der Kontext verdeutlicht, in dem das Projekt stattgefunden hat. Darüber hinaus hatte der Besucher die Möglichkeit eine Einführung zum künstlerischen Konzept der Ausstellung zu erhalten. Über einen entsprechenden Nummerncode an dem Gerät, das kostenlos am Infopoint erhältlich war, konnte ein Text abgerufen werden, den der Kurator Rik Reinking selbst gesprochen hat. Es war uns bei der Audioführung besonders wichtig, Personen zu Wort kommen zu lassen, die direkt oder indirekt an der Ausstellung beteiligt waren. Neben Rik Reinking waren daher auch einige Künstlerstatements und Beschäftigte aus der City Nord zu hören.

Neben den im Allgemeinen bei Audioführungen üblichen kunsthistorischen und kunsttheoretischen Stellungnahmen, waren bei der Audioführung zu dem Projekt sculpture@CityNord auch subjektive Ansichten und persönliche Perspektiven zu hören. Wir haben auf eine detaillierte Erklärung oder Beschreibung der Objekte verzichtet. Vielmehr ging es uns darum, bei den Besuchern Assoziationen zu wecken und Gedanken entstehen zu lassen, in dem wir versucht haben einen Kontext herzustellen, in dem die Arbeiten stehen. Die Audioführung gab somit Anregungen für eine intensive Auseinandersetzung mit den Werken und förderte eine neue Wahrnehmung. Es blieb dem Besucher jedoch selbst überlassen eine Interpretation vorzunehmen und einen Standpunkt zur Arbeit zu entwickeln.

Einige Beispiele:

Johannes Esper, ohne Titel (2006):

Bei der Arbeit von Johannes Esper war die besondere Herausforderung, eine Arbeit zu vermitteln, die sch der direkten Ansicht entzog. Johannes Esper hat für das Projekt sculpture@CityNord einen Diamanten in der City Nord verschwinden lassen. In Anwesenheit eines Notars hat Herr Esper den Diamanten ins freie Gelände geworfen, wobei der Ort diese Handlung unbekannt war und ist. Einziger Zeuge des Vorganges war ein Notar, der dieses Geschehen mit einer notariellen Beglaubigung bestätigte. Für den Besucher war die Arbeit von Johannes Esper jedoch nicht direkt zugänglich. Es gab kein Objekt, das es zu betrachten oder auszuprobieren galt und somit auch kein Hinweisschild, das auf den Vorgang verwies. Vielmehr war es das Konzept der Arbeit, dass den künstlerischen Wert kennzeichnet. Aufgrund der Unbestimmtheit des Ortes stellte sich für die Audioführung die Frage, wie der Besucher die Informationen zu der Arbeit erhält und wie die Inhalte ausgelöst werden können.

Die Lösung ergab sich aus den technischen Möglichkeiten, die das eingesetzte Audioinformationssystem der Firma Sennheiser (guidePORT™) mit sich brachte. Das Abspielen der Information konnte aufgrund der Systems über so genannte 'Identifier' ausgelöst werden, die sich auf dem Gelände befanden. Sobald sich der Besucher also in die Nähe der Sendestationen begab, wurden die gespeicherten Daten automatisch aktiviert. Somit war es möglich, ohne einen Zahlencode manuell am Gerät einzugeben, Inhalte zu vermitteln. Der Besucher konnte dann ein Gespräch verfolgen, das ein fiktiver Besucher mit dem Künstler Johannes Esper geführt hatte und in dem die Arbeit diskutiert wurde.

Matthias Berthold, ‚Anweisungen’ (2006):

Auch bei der Arbeit von Matthias Bertholt haben wir das Verfahren der automatischen Aktivierung von Informationen eingesetzt. Matthias Berthold hat diverse Schilder, wie man sie aus Parkanlagen kennt, auf dem Gelände von sculpture@CityNord, aufgestellt. Doch Bertholds Schilder enthielten nicht die sonst üblichen Verbote, sondern forderten den Besucher zu ungewohnten Betätigungen auf, die das Risiko von ungewöhnlichen Erfahrungen in sich trugen. So gab es beispielsweise Schilder mit der Aufschrift „Stellen Sie nichts dar“ oder „Tun sie etwas, das keinerlei Auswirkungen hat“. Die Schilder waren jedoch nicht als Kunstwerke gekennzeichnet, sondern fügten sich fast unmerklich in die Umgebung ein. Ein Hinweisschild mit einem entsprechenden Nummerncode hätte somit dem Konzept der künstlerischen Arbeit widersprochen. Vielmehr ging es dem Künstler darum, eine Irritation zu bewirken und mit den Gewohnheiten der Rezipienten zu brechen. Daher wurde auch inhaltlich nur indirekt auf die Arbeit Bezug genommen. Die Arbeit wurde nicht erklärt oder beschrieben, sondern auf auditiver Ebene fortgeführt. Statt direkt auf die Arbeit einzugehen, erhielt der Besucher über die Audioführung eine weitere Anweisung, die vom Künstler Matthias Bertholt geschrieben wurde:

Orientieren Sie sich nur durch Ihr Gehör.

Achten Sie auf feinste Geräusche.

Nehmen Sie auch Dauergeräusche wahr.

Navigieren Sie nur durch akustische Wahrnehmung durch das Skulpturenprojekt.

Folgen Sie interessanten Signalen.

Andere Schallquellen wiederum meiden Sie.

Finden Sie so Ihren eigenen Weg über das Gelände.

Das Vermittlungsangebot wurde damit zu einem integrativen Bestandteil der Ausstellung. Die Audioführung nimmt zwar direkten Bezug zur Arbeit, aber versucht nicht, sie zu erklären. Vielmehr wird das künstlerische Konzept aufgegriffen und in einem anderen Medium umgesetzt.

Jimmie Durham ‚ Back Door’ (2006):

Die Arbeit von Jimmie Durham zeigt eine überdimensionale Eisentür, die flach auf dem Boden liegt und verschlossen ist. Bei der Vermittlung ging es uns um die Frage, welche Idee der Arbeit zu Grunde liegt. Sie richtet sich an den “Kern“ oder die Grundlage, auf dem die Arbeit basiert und kann daher am Besten vom Künstler selbst beantwortet werden.

Durch die Aussage des Künstlers, die als Originalquelle herangezogen werden kann, ist die Vermittlung direkter und mittelbarer als bei einem Sprecher, der mit seiner Betonung und Aussprache bereits eine Interpretation vorgibt oder zumindest andeutet. Genau hierin liegt das ambivalente Verhältnis in dem sich Kunstvermittlung bewegt.

Problemfelder medialer Vermittlung

Einerseits versucht Kunstvermittlung eine Brücke zwischen Produktion und Konsumtion herzustellen, anderseits unterstreicht sie genau dadurch den Abstand zwischen Beiden. Das spontane und hemmungslose Erlebnis wird gestört zugunsten einer Rezeption, die Hintergrundwissen und Interpretationsansätze bereithält. Wir haben uns daher in Absprache mit den Künstlern bei einigen Arbeiten auch für Soundcollage oder lyrische Texte in der Vermittlung entschieden. Diese wurden von den Künstlern selbst ausgewählt wurden und nehmen daher indirekt Bezug auf das Werk. Die Informationen schaffen ebenso einen Bezugsrahmen zu den Arbeiten und können als Kontext herangezogen werden ohne willkürlich zu wirken. Sie lassen jedoch Raum für eigene Assoziationen und werfen möglicherweise Fragen auf, die zu einer neuen Wahrnehmung des Werkes führen können.

Das Beispiel von Jimmie Durham macht aber auch ein weiteres Problemfeld von Audioführungen deutlich: Denn die Fragen an den Künstler hätten auch anders lauten können wie beispielsweise: ‚Welche künstlerischen Arbeiten haben Sie besonders in ihrem Schaffen beeinflusst?’ oder ‚Welche Bedeutung hat die Natur für ihre Arbeitsweise und Formsprache?’

Mediale Vermittlungsangebote sind immer indirekt. Es handelt sich dabei um ein vorgefertigtes Angebot, das dem Besucher zur Verfügung steht und von ihm genutzt werden kann. Der Rezipient kann jedoch nicht selbst darauf reagieren, keine Fragen formulieren oder Inhalte im Dialog erarbeiten. Anders bei der direkten oder personalen Vermittlung wie beispielsweise bei Führungen oder partizipatorischen Vermittlungsangeboten, bei denen durch eine offene Herangehensweise anregende Diskussionen und eigene Erfahrungen die Wahrnehmung stärken.

Personale Vermittlung ist jedoch im entschiedenen Maße von den beteiligten, insbesondere vom Vermittler selbst, abhängig. Besteht dort nicht die Bereitschaft sich auf neue Inhalte und unvorhersehbare Momente einzulassen, dann wird vermutlich kaum eine Auseinandersetzung von Seiten der Rezipienten stattfinden. Außerdem bevorzugen manche Besucher die Ausstellung ungestört zu genießen und möchten gerne ihren eigenen Interessen folgen. Nicht jeder Besucher möchte an einer Führung oder einem Vermittlungsprojekt teilnehmen. Dennoch besteht möglicherweise Bedarf an zusätzlichen Informationen. Durch mediale Vermittlungsformen, wie sie beispielsweise in Form einer Audioführung offeriert werden, wird somit der Empfängerkreis des Vermittlungsangebotes erweitert.

Podcast zur Verbreitung des medialen Vermittlungsangebotes

Podcasting ist ein aus dem englischen Begriff „broadcasting“ und dem MP3 Player von Apple, dem „iPod“, zusammengesetztes Wort. Es bezeichnet eine relativ neue Methode, Audio- und Videomaterial über das Internet zu verbreiten. Ein echter Podcast unterscheidet sich von anderen Möglichkeiten der Verbreitung von Online-Mediendateien durch sein Abonnement-Modell. Genauso wie ein Leser eine Zeitung abonniert, wird ein Podcast dem Abonnenten durch eine automatische Einspeisung geliefert. So erhält der Abonnent regelmäßig neue Mediendateien, die auf der abonnierten Website zum Herunterladen verfügbar sind. Hierbei entstehen keine Kosten und man hat zu jedem Zeitpunkt volle Kontrolle darüber, ob man den Podcast noch weiter verfolgen möchte oder ihn einfach abbestellt bzw. löscht.

Der Podcast bietet die Möglichkeit, fortwährend auf die Ausstellung aufmerksam zu machen. Und genau darin lag auch das Ziel für den Podcast von sculpture@CityNord. Die Ausstellung wurde während der viermonatigen Laufzeit von verschiedenen Veranstaltungen begleitet. Durch den Podcast, der dem Abonnenten wöchentlich automatisch zugespielt wurde, wurde dieser erneut an die Ausstellung erinnert. In dieser Hinsicht kann ein Podcast auch als ein wirksames Instrument der Öffentlichkeitsarbeit betrachtet werden, das kontinuierlich auf Ausstellung aufmerksam macht und möglicherweise erneutes Interesse weckt.

Idealvorstellung vs. ökonomischer Zwänge

Wünschenswert wäre ein breit angelegtes Vermittlungsangebot, das dem Besucher die Wahl lässt, welches Angebot er nutzen möchte. Gleichzeitig sollte das Spektrum an möglichen Betrachtungsweisen und Herangehensweisen deutlich werden, sowie eine abwechslungs- und spannungsreiche Gestaltung der Inhalte erfolgen, die das eigene Entdecken fördert und Neugierde weckt.

Wie bereits erwähnt greift der Rezipient bei medialen Vermittlungsmethoden auf ein vorgefertigtes Angebot zurück. Individuelle Fragen können nicht beantwortet werden. Ideal wäre daher eine Audioführung, bei der verschiedene Informationen und Sichtweisen, bzw. Bezugssysteme zu den Kunstwerken angeboten werden. Auf diese Weise würde die Rezeption nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt, sonders das Spektrum an Betrachtungsweisen offensichtlich werden. So wären beispielsweise im Kontext des Projektes sculpture@CityNord Themenführungen unter besonderer Berücksichtigung des Skulpturenbegriffs, eine andere mit historischen Bezügen oder unter besonderer Berücksichtigung von Kunst im öffentlichen Raum denkbar gewesen. Doch ein derartiges Angebot ist wohl in den meisten Ausstellungsbudgets nicht vorhanden. All zu oft wird gerade an diesem Posten gespart und nur ein Minimum an Vermittlung geleistet. In dieser Hinsicht zeigt sich u.a. die Besonderheit des Projektes sculpture@CityNord, das mit seinem vielschichtigen Vermittlungsangebot wie Künstlergesprächen, Führungen und medialer Vermittlung den Bedürfnissen unterschiedlicher Besuchergruppen nach kam und darüber eine breite Öffentlichkeit erreichte.

In diesem Zusammenhang soll noch einmal darauf verwiesen werden, dass mediale Vermittlung kein Ersatz für personale Vermittlung darstellt und nicht zugunsten einer Audioführung eingespart werden sollte. Es handelt sich um unterschiedliche Methoden, die ihre jeweiligen Vorteile aber auch Grenzen, bzw. Nachteile aufweisen. Betrachtet man das heterogene Publikum von Ausstellungen so wird deutlich, dass es ein möglichst bereites Spektrum an Vermittlungswegen geben sollte, zwischen denen der Besucher wählen kann und die seinen persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben entsprechen.


Kurzbiografie:

Petra Nietzky M.A., Studium der Angewandten Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg, Studiengebiete Kunst- und Bildwissenschaften, Kommunikationswissenschaft, Kulturinformatik. | Spezialisierung auf den Einsatz digitaler Technologien für die Vermittlungsarbeit in Ausstellungen und Museen | Magisterarbeit: Vom Ausstellungsraum ins Word Wide Web. Potentiale und Grenzen der Online-Vermittlung | Mitarbeit bei dem Webprojekt ‚Virtueller Transfer Musée Suisse’ zur Vermittlung des Sammlungsbestandes des Schweizerischen Landesmuseum in Zürich | Konzeption und Produktion der Audioführung zu dem Projekt ‚sculpture@CityNord im Auftrag von Soundcom GmbH | Konzeption und Produktion der Audioführung/Podcast ‚Treffen wir uns bei 10° Kunst’ (ways of wondering GbR) im Auftrag der Hamburger Kulturbehörde (10°Kunst – Weg in die Hafen City’)


Literatur:

Kraemer, Harald: Museums are storytellers! New perspectives of education and hypermedia. In: Understanding the New Dynamic: Art, Technology, and the Mind, Readings, ed. by The New Media Consortium, CASE Western University & Cleveland Museum of Art, Cleveland, Ohio, 2006, S. 165-172

Nietzky, Petra: Vom Ausstellungsraum ins World Wide Web – Potentiale und Grenzen der Online-Vermittlung. Unveröffentlichte Magisterarbeit, Universität Lüneburg 2005.

Nietzky, Petra: Zur Nutzung medialer Eigenschaften in der Online-Vermittlung. Mai-Tagung, Rheinisches Archiv- und Museumsamt, Frankfurt 2005. http://www.mai-tagung.de/ FachDez/Kultur/Unsichtbar/Maitagung/Maitagung+2005/wordnietzky05.pdf (Stand: 18.09.06)

Nietzky, Petra: Dramaturgie, Narration, Digitale Szenografie - Kriterien für eine gelungene Online-Vermittlung. In: Stanke, Gerd; Bienert, Andreas, Hemsley, James, Cappellini, Vito (Hg.): Konferenzband EVA 2005 Berlin, Berlin 2006, S. 27-32.

Nietzky, Petra: Online-Education as stage and narrative acts. In: Hemsley, James; Keene, Suzanne (Hg.): Conference Proceedings EVA 2006, London 2006, S. 25.1-25.5.

Proctor, Nancy; Tellis, Chris: The State of the Art in Museum Handhelds in 2003. Museums and the Web 2003. http://www.archimuse.com/mw2003/papers/proctor/proctor.html (Stand: 07.09.06)

Samis Peter and Pau Stephanie: ‘Artcasting’ at SFMOMA. First-Year Lessons, Future Challenges for Museum Podcasters broad audience of use. In: J. Trant and D. Bearman (Hg.): Museums and the Web 2006: Proceedings, Toronto: Archives & Museum Informatics, veröffentlicht am 1. März 2006 auf http://www.archimuse.com/mw2006/papers/samis/samis.html (Stand: 18.09.06)

© Text: Petra Nietzky, Lüneburg 2006


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