Ulf Freyhoff, Max Hinderer, Kathrin Mayer, Tilo Kremer

imagespace

vorschau der ersten seite der ressource imagespace> imagespace (PDF | 8 Seiten | 823,0 KB)


‘Das Denken selbst setzt schon Achsen und Orientierungen

voraus, denen gemäss es sich entwickelt. Es verfügt über

eine Geographie, noch bevor es Geschichte hat. Es steckt

Dimensionen ab, bevor es Systeme entwirft.’

Gilles Deleuze


imagespace

Projektkonzept und inhaltliche Beschreibung

Durch die virtuelle dreidimensionale Umgebung 'imagespace' wird der inzwischen aus der Mode gekommene Begriff 'Surfen' in einem neuen Zusammenhang definiert: basierend auf archivierten und indizierten Inhalten (u.A. Google / Swiki / ask23 / HfbK search) unterstützt die Software die Generierung von Zusammenhängen und die Sortierung der Materialien im dreidimensionalen Raum. Die dabei entstehenden 'Informationsräume' zeichnen sich insbesondere durch ihre hohe 'assoziative Dichte' sowie die mögliche Verknüpfung von (abstrakten) Begrifflichkeiten zu medialen Inhalten aus.

'run':

Ein typischer 'run' durch den 'imagespace' beginnt mit der Eingabe eines Suchbegriffs. Durch verschiedene Buttons kann nun die Suchanfrage etwa an Google, einen eigenen Swiki Server (siehe unten) oder diverse andere Suchdienste (siehe 'technische Umsetzung') abgeschickt werden. Die zurückkommenden Ergebnisse werden im dreidimensionalen Raum zunächst als Texttafeln dargestellt. Gleichzeitig werden Untermenues mit Schlüsselwörten für jede Texttafel generiert. Jede neue Text- oder Bildsuche wird gleichzeitig in einem Diagramm aufgezeichnet, welches durch eine Tastenkombination eingeblendet werden kann und so den Verlauf der eigenen Assoziationskette darstellt.

'text - bild':

Jede Texttafel ist mit einer Reihe von Funktionen zur Erweiterung des 'imagespace' ausgestattet. Im Wesentlichen sind dies die Funktionen zur Bildsuche bei Google und Flickr mit dem ursprünglichen Suchbegriff, bzw. mit den Schlüsselwörtern aus den Untermenues. Die Bildsuchfunktionen generieren 'Stapel' von Bildern, die durch Verschieben geordnet werden können. Jedes einzelne Bild wiederum kann in Originalgröße oder in seinem originalen Kontext in einem externen Fenster angezeigt werden. Weiterhin kann auch die durch die Texttafel referenzierte Internet-Seite in einem externen Fenster aufgerufen werden.

'swiki':

Einen Sonderfall stellt die Suche auf dem eigenen Swiki Server dar. Ein Swiki ist ein kollaborativ editierbarer Webspace (etwa wie Wikipedia). Jede Seite kann von den Benutzern nach Belieben editiert werden. Der Swiki dient als Plattform zur Vorbereitung und Dokumentation von Seminaren und Projekten im Rahmen der vom Antragsteller geleiteten Werkstatt 'mixed media'. Hier können neben den Bildern auch von den Seiten aus referenzierte mediale Inhalte wie Video und andere 3D-Modelle in den 'imagespace' integriert werden. Hierdurch eignet sich 'imagespace' auch als alternative Form der Präsentation eigener Inhalte. Zu diesem Zweck wurde eine eigene Strukturbeschreibungssprache entwickelt, mit deren Hilfe zunächst ungeordnete Materialsammlungen geordnet in den 'imagespace' integriert werden können.

'create, edit & save':

Eine wesentliche Erweiterung des zunächst als Browser konzipierten 'imagespace' ist die Möglichkeit, eigene Texttafeln hinzuzufügen, zu bearbeiten und zu speichern. Dabei wird jeder Seite ein Schlüsselwort zugeordnet, welches das Wiederauffinden von Gruppen von Seiten in der Datenbank ermöglicht. Alle selbsterstellten Tafeln haben die gleiche Funktionalität wie oben beschrieben, weiterhin können mit einfachen 'tags' (Sonderzeichen) links zur Erstellung neuer Seiten sowie eigene Listen von Schlüsselwörtern erstellt werden.

Didaktisches Konzept und methodische Ansätze

Die Lehre an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg zeichnet sich dadurch aus, dass der individuellen Entwicklung des KünstlerInnensubjekts die größtmögliche Freiheit gewährt wird. Bei der Lehre von Kunst und ihrem zeitgenössischem Zusammenhang ist es schwierig, von Didaktik an sich zu sprechen. Die Kunsthochschulen im deutschsprachigen Raum verfolgen einheitlich ein Konzept von Bereicherung auf dem Feld der Erfahrung und der Auseinandersetzung, und weniger einen spezifischen Lehrplan. Trotzdem ist in den letzten Jahren deutlich geworden, daß auch an Kunsthochschulen fundiertes Wissen in einem wissenschaftlichen Kontext vermittelt werden muss und von den Studierenden sogar verstärkt gefordert wird. Während das Bild eines genialistischen Künstlers immer mehr dem eines projektorientierten Produzenten weicht, wird auch auf der Ebene der Lehre und Vermittlung nach Wegen gesucht, wie sich das Konzept der größtmöglichen Freiheit weiter beibehalten lässt.

'imagespace' dient sowohl der Vermittlung von Lehrinhalten, also als Ort der Materialsammlung zu Seminaren beispielsweise, und auch als Präsentationsplattform für individuelle und kollektive Projekte. Die Heterogenität der einsetzbaren Medien ist dabei gleichzeitig Hinweis auf die mögliche und vor allem angestrebte Diversität der entstehenden 'Räume'. Fotografie, Video, Text, 3D-Animationen oder Audiodateien lassen sich hier in virtuellen Räumen zusammenführen. In diesen soll, über die einzelnen spezifischen Informationseinheiten hinaus, vor allem ihr Zusammenhang sichtbar gemacht werden. In der konkreten Anwendung handelt es sich um 'verräumlichte' Seminarordner, um die Möglichkeit, konkrete Ausstellungskonzepte virtuell umzusetzen, oder aber um den Prozess selbst, als Schulung des kuratorischen Blicks oder als Möglichkeit, Fehler auch ohne 'realen' Produktionsdruck begehen zu dürfen.

Zielgruppen, Lehr- und Lernziele

An den Kunsthochschulen ist heute eine wesentlich stärkere Anbindung der Lehre an den zeitgenössischen Diskurs zu spüren, als es in den letzten Jahrzehnten der Fall war. Es ist ein Paradigmenwechsel kenntlich geworden, der sich bereits in den neuen Lehrprogrammen und dem stattfindenden Strukturenwechsel auf politischer und organisatorischer Ebene an den Kunsthochschulen manifestiert. Das Studium der so genannten 'Freien Kunst' oder 'Malerei' (um zwei Beispiele zu nennen), weicht immer mehr Studiengängen, die allgemein als 'Bildende Kunst' oder 'Kunst und Kulturwissenschaften' bezeichnet werden. Dies bedeutet unter anderem einen Schwerpunkt auf ein theoretisches Studium im zweiten Studienabschnitt und ist dem traditionell praktisch orientierten Kunststudium gleichberechtigt. Durch die Einführung von Doktoratstudien an Kunsthochschulen wird eine 'Verwissenschaftlichung' der künstlerischen Praxis deutlich, die vor allem die Suche nach einer neuen Sprache bedeutet. Hierin geht es um eine Gleichberechtigung von ästhetischer und räumlicher Sensibilität und traditionellen Herangehensweisen aus Philosophie, Soziologie und Sprachwissenschaft.

Bereits in den sechziger Jahren kündigte die künstlerische Avantgarde eine prozessorientierte Praxis an, die heute als 'Visual Studies', 'Gender Studies', 'Cultural Studies' oder 'Postcolonial Studies' in den Hochschulalltag Eingang gefunden haben. Mit 'imagespace' wurde sowohl ein Raum (im Sinne von Plattform) als auch ein Werkzeug entworfen, in und mit dem diese Verbindungen gezielt und spezifische Projekte verfolgend weiterentwickelt werden können.

Als virtueller Ausstellungsraum und als 'tool' zur Entwicklung räumlicher Perspektiven und zur Visualisierung von Gedankenzusammenhängen, bietet 'imagespace' eine Gleichzeitigkeit von interaktiven und kommunikationsorientierten Prozessen, und ist gleichermaßen Präsentationsplattform und Werkstatt in einem. 'imagespace' ist an alle Studierenden gerichtet, die sich der medialen und inhaltlichen Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Möglichkeiten und Zusammenhängen innerhalb der künstlerischen Produktion widmen wollen und dafür ein solches Werkzeug gebrauchen können.

Aktuelle Einsatzbereiche und konkrete Nutzung

(als visuelle Beispiele dem 2. Teil der Bewerbung als Video / Screenshots beigefügt)

Beispiel: Vortragsunterstützung / Dokumentation 'interchange' projekt

http://telenautik.de/interchange

Unter der genannten Adresse finden sich sowohl die (Swiki) Materialsammlung als auch die Dokumentation zum Projekt 'interchange', welches sich im Jahr 2004 mit den ästhetischen, architektonischen und sozialen Aspekten von Autobahnen und deren Kreuzungen auseinandergesetzt hat und im Dezember mit einem ambulanten Ausstellungsprojekt abgeschlossen wurde.

'imagespace' ermöglicht einen schnellen Zugriff auf alle gesammelten Dokumente und erweitert gleichzeitig den Bezugsrahmen durch die beschriebenen Text- und Bildsuchfunktionen.

Beispiel: Diplomprojekt 'Shaking the lines on the mirror of time',

2006, von Katrin Mayer, Hochschule für bildende Künste, Hamburg:

In meiner künstlerischen Arbeit geht es darum, zwischen Themenfeldern und Motiven, die auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten zu besitzen scheinen, Verbindungen herzustellen und sie zu einer neuen Erzählung ineinander zu weben. Durch gezieltes Auswählen soll deren historische, politische, soziale und ästhetische Dimension in einen neuen und aktuellen Zusammenhang überführt werden, wodurch eine Umlenkung und Erweiterung herkömmlicher Lesarten angestrebt wird. Im Fall meines Diplomprojekts 'Shaking the lines on the mirror of time' interessierten mich die Themenfelder 'Streifen', 'Schiessen' und 'Tanzen', welche ich anhand konkreter historischer und aktueller Beispiele in Bild und Text miteinander kommunizieren lassen wollte.

In 'imagespace' lässt sich die große Menge an Material (Google - Suche, Gescanntes, Geschriebenes), die innerhalb eines solchen Projekts anfällt, in einem ersten Schritt sammeln, räumlich ordnen und strukturieren. Im weiteren Verlauf können konkrete Sinnzusammenhänge und Verbindungslinien entstehen, welche eine spezifische Lesart der Erzählungen, bzw. Geschichten vorgeben und somit als subjektiv-künstlerische Haltung rezipierbar werden. Gleichzeitig bleibt das Material offen, jederzeit durch jede(n) Nutzer/In veränder- und erweiterbar, es lassen sich also mit einer Materialsammlung unzählige Variationen erstellen.

Die dreidimensionale Darstellung und Erfahrbarkeit der Text- und Bildversatzstücke im Raum ermöglicht mir im Rahmen meiner Arbeitsweise, die sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Theorie bewegt, eigene methodische Ansätze zu entwickeln. Es handelt sich bei 'imagespace' um ein höchst kreativ-produktives 'tool', das die Möglichkeit eröffnet, sich in einem Raum der Vielheit der beweglichen und kommunizierenden Singularitäten aufzuhalten, darin zu agieren und somit die eigene Geographie des Denkens auf komplexe Weise zu verändern.

Technische Umsetzung

'imagespace' basiert auf einer Reihe von Scripten in den Sprachen

- vrml: 3D-Darstellung

- vrmlscript: Management, Interface, Verknüpfung, Animation

- php: Suchmaschinenabfrage und Generierung von Inhalten

- mysql: Abfrage und Speicherung von eigenen Inhalten in einer Datenbank zur Generierung von Diagrammen greift 'imagespace' auf die 'Graphviz' Bibliothek von

AT&T Research zurück. [http://www.graphviz.org/]

Momentan greift 'imagespace' auf die folgenden Suchdienste zu:

(in der Reihenfolge der Implementierung):

- 'Swiki' Seiten unter

- http://42loop.dyndns.org:8888/less-public

- http://42loop.dyndns.org:8888/ulf

- Google Textsuche innerhalb der Domain telenautik.hfbk-hamburg.de

- Google Bildsuche innerhalb der Domain telenautik.hfbk-hamburg.de

- Google Textsuche

- Google Bildsuche

- Textsuche im 'ask23' Archivsystem (http://ask23.hfbk-hamburg.de/)

- 'htdig' Textsuche auf den folgenden Webservern innerhalb der HfbK Hamburg:

- 'Institut für Telenautik' (http://telenautik.hfbk-hamburg.de/)

- 'künstlerische Telematik' (http://telematik.hfbk-hamburg.de/)

- Swiki des 'Institut für Telenautik' (http://42loop.hfbk-hamburg.de:8888/)

- Lehr- und Forschungsbereich Medien / digitale Systeme (http://medien.hfbk.net/, http://lfbmedien.hfbk.net/)

- allgemeines Serververzeichnis (http://www.hfbk.net/)

- Swiki der HfbK Hamburg (http://swiki.hfbk-hamburg.de:8888/)

- Offizieller Server der HfbK Hamburg (http://w3.hfbk-hamburg.de/)

- Freifunk Projekt (http://freifunk.hfbk.net/ )

- Flickr Bildsuche (http://www.flickr.com)

Alle Fragmente unterliegen möglicherweise einem Copyright, sind jedoch im Internet frei verfügbar.

Momentan läuft ‘imagespace’ mit dem Blaxxun vrml plugin (http://www.blaxxun.de) auf Windows-Betriebssystemen im Microsoft Internet Explorer und Mozilla Firefox v1.0x

Eine Version für Macintosh Rechner befindet sich in Vorbereitung.

Ein Strukturdiagramm der Software befindet sich im Anhang.

Ausblick - Erweiterungen

Das System soll in der Zukunft noch erweitert werden. Eine standardisierte Plugin-Schnittstelle soll die Anpaßbarkeit an verschiedenste Anforderungen gewährleisten.

Mögliche Erweiterungen:

- weitere Suchmaschinen

- spezialisierte Suchmöglichkeit für spezifische Kontexte (z.B. del.icio.us und yigg)

- Netzwerkmonitor: Instrumente zur Überwachung und Visualisierung von Netzwerken mit

- vitalen Daten einzelner Komponenten eines Netzwerkes

- Datenströmen (siehe http://people.ee.ethz.ch/~oetiker/webtools/mrtg/ )

- Informationen zur Topologie und Organisationsstruktur aktuell in der Forschung befindlicher selbstorganisierender Mobiler Ad-Hoc Netzwerke (MANETs) wie z.b. OLSR und b.a.t.m.a.n (http://olsr.org)

- Wettermodul

- Sensoren z.B. für

- Gezeiten

- Wetter

- weitere Echtdaten aus dem jeweiligen Umfeld

Einige Rechte vorbehalten: Diese Ressource ist unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht.
URL dieser Ressource: http://www.ask23.de/draft/archiv/misc/imagespace_1.html   |  URN: urn:nbn:de:0015-2006062806
Das ist die Originalversion der Ressource: Verfügbar gemacht von ask23 am 2006-06-21, Hashwert 8f00a9a997aa47f48408ba5106b245cf21959067