Kurd Alsleben, Antje Eske, Torsten Rackoll

Ausschnitt aus einem Interview mit Antje Eske und Kurd Alsleben

geführt von Torsten Rackoll am 2.4.2008

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Torsten: Das fand ich ganz schön: Ich weiß gar nicht mehr, wo ich das aufgeschnappt habe. Von dir war, glaube ich, dass „Hypertext Ausdruck ist“. Also in gewisser Weise, dass Hypertext auch eine Form ist. Nicht eine technische Sache, sondern eben ein künstlerischer Ausdruck.

Kurd: Ja.

Antje: Stimmt. Also eine Ausdrucksform.

Kurd: In diesem Sinne könnte man auch sagen, dass der Computer eine Sprache ist. ...das ist jetzt ein bisschen metaphorisch. Aber weil er eben Ausdrucksformen hat, die eigen und besonders sind: den Link. So kann man das schon sagen. Dass das so ein eigenes Zeichensystem enthält, ...multimedial, wie man sagt. Aber der Link ist eben eine eigene Ausdrucksmöglichkeit, ein eigenes Medienformat. ...das ist banal, nicht? Der Link ist nicht dazu da, es komfortabler zu machen. Klick und dann kommt von hinten etwas heran, wie es, sagen wir mal, das Internet eigentlich ursprünglich gemacht hat und der Sinn des Internet wohl auch war: das Komfortable. Du holst dir von fern her einen Text und hast ihn dann da. ...das kann man jetzt nicht mehr sagen. Das ist ja alles schon recht verwachsen. Wenn du jetzt klickst, wenn du browserst, ist das ein ganz anderes Verhalten. ...auch nicht mehr, dass du dir jetzt etwas von weit her holst. Das ist es ja nicht mehr bloß. Aber ursprünglich war es schon so. Und wir hatten ja mit dem Hypertext etwas anderes gemacht. Im Sinne von ‚gemacht‘, ...eine Formulierungsweise. Dieser Ansatz ist leider erst einmal verloren gegangen mit dem Internet. ...im Internet waren die Intentionen andere. Eben die, etwas ranzuholen und nicht, damit eine Formulierung zu finden. Also, dass der Link, dass die Bedeutung des Links wichtig ist. Nicht bloß seine technische Fähigkeit oder die Komfortabilität, etwas heranzuziehen, sondern seine Bedeutung. An der Stelle bedeutet es etwas. Du gehst der Bedeutung nach oder nicht. Heute ist das ganz anders.

Antje: Ja, einmal das. Und: Wir hatten ja früher dieses HyperCard. Das war unheimlich schön, mit diesen Links zu arbeiten. Aber das ist dann irgendwann eingestellt worden. Das gab es dann nicht mehr. Ich hatte dann mit Hyperstudio weitergemacht. Aber...

Kurd: ...im Netz gab es das überhaupt nicht: HyperCard. Das ist eine Legende.

Antje: Was ja auch noch wieder anders ist, sowohl im Netz als auch in HyperCard oder Hyperstudio, dass du eben multimedial arbeiten kannst, mit Tönen, Bildern und Texten. Das hast du ja sonst auch nicht. Wenn du ein Buch hast, dann musst du jetzt noch eine CD dazutun. Aber du kriegst es nie so direkt zusammen. Das ist noch eine andere Verständigungsoder Austauschmöglichkeit.

Kurd: Das hast du ja im Internet so auch nicht. ...da musst du etwas programmieren. Sagen wir mal Swiki oder Wiki, ...da kannst du jetzt etwas reinschreiben. Aber wenn du bloß Typografisches verändern willst, ist das schon recht mühsam. Du schreibst, dann mußt du etwas davor setzen und so weiter. Dann mußt du erstmal eine Vorschau angucken und so weiter... Das war beim HyperCard – natürlich war das eine Vorstufe – direkter. Da konntest du richtig anschaulich formulieren.

Antje: Was auch noch ganz interessant ist, ist die Spamwelle....

Kurd: ...natürlich kannst du Bilder ins Netz stellen oder Filmstückchen...

Antje: ...du kannst auch Links machen, von irgendwo nach irgendwo.

Kurd: Aber ... es lohnt sich nicht, das zu programmieren. Und du selbst kannst nicht einfach HTML programmieren. Wer kann denn das? ...wenn einer rankommt an irgendeine Stelle, dann klingt eine Marginalie auf. Natürlich kann das ein professioneller Seitengestalter. Aber ich zum Beispiel nicht. Wer kann das schon? Das heißt, du kannst also nicht das, was wir mit Volker [Volker Lettkemann, Anm. des Verf.] gemacht haben. ... Wie lang habt ihr das gemacht? Jahrelang bestimmt...

Antje: ...5 bis 10 Jahre.

Kurd: ...10 Jahre – ein Austausch..

Antje: Ewig lange. Dann mal eine Pause, dann wieder angefangen. ...mit HyperCard über das Komische, was ich vorhin schon gesagt hab.

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