Selektion im Kunstsystem=The Winner takes it all…

7 Postulate für eine reformierte Förderungsvergabe

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Kunstsoziologisches Kolloquium: Selektion im Kunstsystem 03.07.2012

Es ist an sich erfreulich, dass an der HfbK Hamburg inzwischen etwa 140.000 Euro an Fördergeldern jährlich vergeben werden. Damit ist für den Studienbetrieb ein beachtlicher Anreiz- und Belohnungsfaktor gegeben, der eine über die finanzielle Seite weit hinausgehende Bedeutung hat. Insofern kommt einer Hochschule, die ihrem Lehrauftrag gerecht werden will, eine pädagogische Verantwortung für die durch zu führenden Auswahlverfahren zu ob man will oder nicht.

Das im SoSe 2012 von Prof. Michael Lingner veranstaltete Kunstsoziologische Kolloquium: Selektion im Kunstsystem hat die kulturelle Entwicklung als einen evolutionären Prozess untersucht und sich auch mit verschiedenen Aspekten herrschender Jurierungspraktiken auseinandergesetzt. Als eine in diesem Kolloquium entstandene Arbeitsgruppe Alternative Auswahlverfahren haben wir (namentlich u.a. Lukas Bleuel, Valentin Gagarin, Jule v. Hertell, Ray Juster, Henry Kleine, Winnie Fee Kurzke) auf der Basis der Aufgabenstellung und des Fragenkatalogs vom 19.6.2012 sieben Postulate formuliert, die aus studentischer Sicht zu einer höheren Akzeptanz der Auswahlverfahren und zu einer besseren Förderung der Bewerber_innen beitragen könnten. Dabei ist in pragmatischer Absicht von dem herkömmlichen Jurierungswesen für Preise, Förderungen und Stipendien an der HfbK nicht völlig abgerückt worden*:

1. Alle Professor_innen sollen nach ihrer generellen Bereitschaft zur Teilnahme an Jurierungsverfahren befragt werden. Aus den verfügbaren Professor_innen sollen mind. 7 Jurymitglieder nach dem Bewerbungsschluss für die jeweilige Preisvergabe öffentlich ausgelost werden. Dabei soll maximal 1 Mitglied des Präsidiums berücksichtigt werden.

2. Bei der Abstimmung über die von ihnen vorgeschlagenen Studierenden sollen die jeweiligen Jurymitglieder nicht stimmberechtigt sein.

3. Die Bewerber_innen sollen ihre Einreichungen vor der Jury mind. 10 Minuten selbst präsentieren und dazu befragt werden können. Dabei sollen von den Bewerber_innen angemeldete andere Studierende anwesend sein können.

4. Prinzipiell sollten die Entscheidungen in der Jury durch Abstimmungen getroffen und die Voten protokolliert und den BewerberInnen direkt nach der Jurysitzung zugänglich gemacht werden.

5. Nach der Jurysitzung soll es für die Interessierten eine Besprechung aller Einreichungen mit allen Jurymitgliedern geben. Dabei haben auch die Bewerber_innen und die von ihnen angemeldeten Studierenden ein Rederecht.

6. Die Preisträger_innen sollen die Gelegenheit erhalten und die Verpflichtung übernehmen, ihre eingereichten Arbeiten in der Hochschulgalerie für mindestens 1 Woche zu zeigen.

7. Studierende aus den Grundsemestern und zur Prüfung angemeldete Studierende sollen von der Möglichkeit zur Bewerbung ausgeschlossen sein.

Mit der Diskussion und Umsetzung der ggf. modifizierten Forderungen ist beabsichtigt, die Transparenz, Kommunikativität, Unabhängigkeit und Verantwortlichkeit der Auswahlentscheidungen und damit den gesamten Fördereffekt zu steigern. Darüber hinaus soll die Trennung von fachlicher Betreuung und Beurteilung einerseits sowie materieller Förderung andererseits erhöht werden, damit es nicht zu Interessenkollisionen kommt. Weitere Überlegungen und Erläuterung zu den obigen Postulaten finden sich im Internet unter:

http://ask23.hfbk-hamburg.de/cgi-bin/wiki/wiki-ask23.pl?SeminarMaterialienKunstsoziologieso12

Anmerkung:

* Die Arbeitsgruppe hat vor, im WiSe 2012/13 die Konzeption eines modellhaften Auswahlverfahrens zu entwickeln, welches ohne Jury auskommt und in dessen Zentrum die öffentliche Erörterung und Begründung von Qualitätsurteilen unter Einbeziehung der Bewerber_innen steht. Als erster Anwendungsfall wäre ein Auswahlverfahren für die Projektförderung des AStA der HFBK wünschenswert.


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