Brigitte Kölle

Die Kunst des Ausstellens

Untersuchungen zum Werk des Künstlers und Kunstvermittlers Konrad Lueg / Fischer (1939-1996)

Kurzfassung

Das Ausstellen von zeitgenössischer Bildender Kunst, die Art und Weise ihrer Präsentation und ihrer Vermittlung, ist in den letzten vier Jahrzehnten zunehmend ins Blickfeld des kunstwissenschaftlichen Interesses geraten. Neue Konzepte des Ausstellens werden erprobt, neue Orte für Ausstellungen erschlossen. Die Aufmerksamkeit für und die Betonung von Präsentationsweisen zeitgenössischer Kunst heute wären kaum denkbar ohne die revolutionären Veränderungen in der Kunst und ihrer Vermittlung in den späten sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Der künstlerische Einbezug von Raum und Kontext, die Ortsbezogenheit des Kunstwerks, die Betonung des Konzeptuellen und Prozesshaften des Werks – all dies sind Faktoren, welche die konventionellen Ausstellungsformen herausforderten und bis in heutige Zeit nachwirken und gleichermaßen virulent bleiben.

Eine wichtige Figur in der Umbruchsituation von avantgardistischer Kunst und ihrer Präsentation in den sechziger Jahren war der Düsseldorfer Künstler, Kunsthändler und Kunstvermittler Konrad Lueg / Fischer (1939-1996), der im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht. Es wird erörtert, worin Fischers originärinnovative Leistung im Bereich des Ausstellens von Kunst besteht. Die monografische Analyse spannt den Bogen von Konrad Luegs eigenem künstlerischen Werk und seiner Zusammenarbeit mit Künstlerkollegen wie Gerhard Richter und Sigmar Polke über die Untersuchung der Programmatik von Ausstellungen bei Konrad Fischer, also dem Ausstellungsraum, den Fischer 1967 in Düsseldorf gründete und bis zu seinem Tod fortführte, bis hin zu Fischers Tätigkeit als Kunstvermittler an öffentlichen Kunstinstitutionen wie beispielsweise im Rahmen der Prospect-Reihe an der Städtischen Kunsthalle Düsseldorf (19681976).

Anhand von Fischers Selbst- und Rollenverständnis als Künstler (Konrad Lueg) bzw. als Kunstvermittler (Konrad Fischer) werden die Brüche und Zusammenhänge zwischen den Identitäten herausgefiltert, um so das Aufbrechen traditionell begrenzter Aufgabenverteilung zwischen Kulturproduzent und Kulturvermittler offen zu legen, für das Konrad Fischer wie kaum eine andere Figur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beispielhaft ist. Die zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit liegt in der Untersuchung, inwiefern im Werk Konrad Fischers das Ausstellen von Kunst in eine so genannte „Kunst des Ausstellens“ überführt werden konnte. Welche Prämissen waren nötig? Worin lag ihre innovative Sprengkraft? Welche Motivation, welche Programmatik, welche Wirkung zeichnete diese spezifische Kunst des Ausstellens aus und inwiefern lassen sich hier Kriterien herausarbeiten, die für eine Theorie zur Kunst des Ausstellens generell von Bedeutung sein könnten?


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